Persönlichkeitsstörungen

Der Begriff Persönlichkeitsstörungen wird in der Regel mit Menschen in Verbindung gebracht, die eine schwere Straftat begangen haben und aufgrund ihres Geisteszustandes als nicht Zurechnungsfähig gelten. Durch Schlagzeilen in den Medien der letzten Jahre, ist dieser Begriff auch bis zur Allgemeinbevölkerung angekommen. Menschen die diese Diagnose zugeschrieben bekommen haben, gelten bei vielen Menschen als völlig „durchgeknallt“, „gemeingefährlich“, und gehören für viele Menschen schlicht, weggesperrt. Dabei ist den meisten Menschen, die solch ein Stigma bedienen garnicht klar, was eine Persönlichkeitsstörung überhaupt ist.

Auch wird der ältere Begriff für Persönlichkeitsstörungen, nämlich „Psychopathie“ oftmals willkürlich in den Mund genommen um einen Menschen herabzusetzen, oder gar verletzen zu wollen. Da wird eben mal schnell ein Mensch als „Psychopath“ bezeichnet und der Redeführer kommt sich dabei auch noch sehr intelligent und überlegen vor, aber ohne genau zu wissen, was er damit überhaupt von sich gibt. Nach Beck/Freeman (1999) sind zwischen 10% und 20% der Weltbevölkerung sowie bis zu 35% in psychiatrischen Kliniken lebenden Menschen von einer Persönlichkeitsstörung betroffen, oftmals zusätzlich in Verbindung mit einer anderen seelischen Erkrankung, wozu auch Suchterkrankungen gehören und Erkrankungen mit somatischen Symptomen. Aber damit ist noch nicht geklärt, was überhaupt eine Persönlichkeitsstörung ist, bzw wie sie definiert wird. In der Fachliteratur findet man natürlich allgemeingültige und einprägsame Formulierungen, die im Grunde genommen nicht viel aussagen. So findet man bei Peter Fiedler eine Erklärung, die ich hier zitieren möchte:

„Persönlichkeit und Persölichkeitsstörungen eines Menschen sind Ausdruck der für ihn charakteristischen Verhaltensweisen und Interaktionsmuster, mit denen er gesellschaftlich-kulturellen Anforderungen und Erwartungen zu entsprechen und seine zwischenmenschlichen Beziehungen auf der Suche nach einer persönlichen Identität mit Sinn zu füllen versucht. Dabei sind jene spezifischen Eigenarten, die eine Person unverkennbar typisieren und die sie zugleich von anderen unterscheiden, wegen ihrer individuellen Besonderheiten immer zugleich von sozialen Regeln und Erwartungen mehr oder weniger abweichende Handlungsmuster.“

(Fiedler, Peter; 1998)

Persönlichkeitseigenschaften werden in der Regel erst dann mit dem Etikett „Persönlichkeitsstörung“ belegt, wenn diese verstärkt in Richtung eines Leidens der Betroffenen, oder deren nahen Umfeld betrachtet werden können. Hier muss ich natürlich erwähnen, dass die Verstehensansätze und Konzepte von Persönlichkeitsstörungen innerhalb der verschiedenen psychiatrischen und psychologischen Schulen stark von einander abweichen und im Laufe der Jahre auch wechseln können. So ist es nicht verwunderlich, dass fast jeder Mensch der heute durch eine seelische Erkrankung mit einem Psychiater oder einem Psychologen in Berührung gekommen ist, auch leicht in das Diagnoseschema einer Persönlichkeitsstörung geraten kann.

Die Vorstufen und etwas älteren Begrifflichkeiten für eine Persönlichkeitsstörung, die von Psychiatern gern oberflächlich gebraucht werden, um überhaupt eine Diagnose zu stellen, sind „strukturelle Ich-Schwäche“, bis hin zur „psychopathischen Minderwertigkeit“. Dabei muss man sich im klaren sein, das jeder Mensch Anteile in seinen Charakterstrukturen hat, die pathologischen Zügen ähneln. Deshalb ist es für mich besonders wichtig hervor zu heben, dass selbst der Author Peter Fiedler, der eines der umfangreichsten und weitverbreitedsten Bücher über Persönlichkeitsstörungen veröffentlicht hat,  sich selbst offenbart, indem er schreibt; er habe eine „narzißtisch-dependente Persönlichkeitsstruktur“.

Bis vor ca. 10 Jahren galten Persönlichkeitsstörungen noch zum größten Teil als unheilbar. Viele Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung waren in Psychiatrischen- und Psychologischen Praxen als äußerst unbeliebt. Häufig wurde die Unbeliebheit mit dem Begriff der „anspruchsvolle Patienten“ umschrieben. Psychiatern waren Patienten mit einer Psychose häufig lieber, als Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung, da letztere ihm mehr Zeit „raubten“, und deren Behandlung für viele nervenaufreibender war. Dieses Bild hat sich bei manchen Behandlern der neueren Schulen etwas verändert. Denn Forschungsergebnisse der letzten fünfzehn Jahre kommen zu dem Schluss, dass die Störungen, die allgemein als Persönlichkeitsstörungen bezeichnet werden, und aufgrund bestimmter Kriterien auch so diagnostiziert werde, eines nicht sind, nämlich Persönlichkeits-Störungen.

Inzwischen haben die Ergebnisse von Analysen gezeigt, dass Persönlichkeitsstörungen im Grunde Störungen der Interaktion sowie der Beziehungsgestaltung, und somit als Beziehungsstörungen gelten können. Die Personen, die sogenannte Persönlichkeitsstörungen aufweisen, zeigen ungünstige Überzeugungen in Bezug auf Beziehungen. Dadurch hat die Beziehungsstörung weitreichende Konsequenzen für das Denken, die Aufmerksamkeit, die Art der Informationsverarbeitung, das Fühlen und Handeln. Dennoch bleibt diese Störung im Grunde eine Störung der Beziehung, und erst in der Folge wird es eine Störung des weiteren Erlebens und Verhaltens. Auf der folgenden Seite beschreibe ich in kurzer Form die Merkmale die für eine Diagnose zur jeweiligen Persönlichkeitsstörung vorgegeben sind und zulassen.

Literatur:

Beck/Freeman; „Kognitive Therapie der Persönlichkeitsstörungen“, 1999, Beltz Psychologie Verlag, Weinheim

Fiedler; „Persönlichkeitsstörungen“, 1998, Beltz Psychologie Verlag, Weinheim

Sachse, Rainer; „Persönlichkeitsstörungen verstehen“, 2010, Psychiatrie Verlag, Bonn