Depressionen

Informationen zu einer weit verbreiteten Krankheit

Nicht jede traurige Stimmung darf gleich mit einer Depression gleichgesetzt werden. Trübe Gedanken gehören zum Alltag und können auch schnell wieder vergehen. Beim Verlust oder Tod eines nahestehenden Menschen ist die Trauer oft tief und länger anhaltend, oft ein ganzes Jahr. Man kann aber voraussagen, dass sich die Stimmung fast immer wieder aufhellt. Eine solche traurige Verstimmung, auch wenn sie momentan noch so tief sitzt, kann man nicht als Krankheit bezeichnen.

Schwermut, Melancholie oder moderner “Depressionen” sind häufige Störungen und ernsthafte Erkrankungen, die den Menschen ganzheitlich betreffen. Sowohl seelische als auch körperliche Funktionen sind davon betroffen. Die seelischen Veränderungen betreffen vor allem das Gefühlsleben. Positive Gefühle, wie Freude, Lust, Energie, Interesse, Zufriedenheit, Entspannung fehlen oder treten stark in den Hintergrund. Negative, unangenehme und schmerzhafte Gefühle bestimmen in einem nicht bekannten Ausmaß das Leben. Zu diesen negativen Gefühlen gehören Niedergeschlagenheit, Traurigkeit, Angst, Verbitterung, Einsamkeitsgefühl, Hilflosigkeit, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Sie wechseln ab mit Phasen der Erschöpfung der Schwermut und der Leere, bei der sich die Betroffenen wie “eingemauert”, isoliert und innerlich, wie tot vorkommen.

Eine Depression betrifft jedoch auch die Leistungsfähigkeit, das Denken, das Gedächtnis und das Urteilsvermögen. Betroffene klagen über Konzentrationsmangel, über Gedächtnisschwächen und Probleme, sich Ereignisse zu merken. Sie ermüden leichter, haben weniger Ausdauer und Kraft. Selbst bei Alltäglichkeiten fällt die Entscheidung oft schwer und das Urteilsvermögen ist eingeschränkt. Verändert ist auch die Art und Weise, wie von Depression Betroffene sich selbst, ihre Angehörigen, ihre Lage, ihre Möglichkeiten und ihre Zukunft sehen. Es dominiert Pessimismus, auch wenn es dafür keinen eindeutigen Grund gibt. Die Umwelt, oft auch die Angehörigen werden als fremd, bedrohlich und feindselig erlebt. Die eigene Person ist schlecht und hat Schuld auf sich geladen. Das eigene Leben erscheint als eine Kette von Misserfolgen und Niederlagen.

Die Zukunft ist unsicher, unausweichlich voll mit Bedrohlichem. Daher erleben viele depressive Menschen auch Angst und Hoffnungslosigkeit.

Verändert sind auch der Antrieb, die Begeisterungsfähigkeit, das Interesse, das Berührtsein von Dingen und Erlebnissen und die Anteilnahme. Depressive ziehen sich zurück, haben keine Ziele und Wünsche mehr. Das Leben ist fade, freudlos und leer. Schlimmstenfalls sieht man im Weiterleben keinen Sinn mehr und will nicht mehr an Leben bleiben. Besonders typisch für eine Depression sind zahlreiche körperliche Beschwerden. Betroffene leiden unter Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, einem Verlust von sexuellen Interessen und Empfindungen bei Sex, fehlendem Geschmacksempfinden, Druck und Enge in der Brust, Kopf- und Bauchschmerzen, Magen- und Darmbeschwerden, Kraftlosigkeit, Erschöpfung, Vergesslichkeit, Gereiztheit, Unruhe und ziellosem Getriebensein. Insbesondere im fortschreitenden Alter bestimmen diese körperlichen Beschwerden das Bild einer Depression.

Schlafstörungen sind oft die ersten Anzeichen einer Depression und müssen immer sehr ernst genommen werden. Zwei oder mehr Stunden vor der gewohnten Zeit wachen depressive Menschen auf; in diesen frühen Morgenstunden wird die Depression als besonders schwer empfunden. Es ist das Morgentief der depressiven Menschen. Der Schlafrhythmus ist bei ihnen gestört. Ein Zehntel der depressiven Menschen hat nicht zu wenig, sondern zu viel Schlaf. Die Ursachen für dieses Phänomen sind gänzlich unbekannt.

Appetitlosigkeit ist eine sehr häufige Begleiterscheinung der Depression. Wenn dann nicht zügig behandelt wird, kommt es manchmal innerhalb von wenigen Wochen zu drastischen Gewichtsabnahmen, was insbesondere bei älteren Menschen lebensgefährlich sein kann. Ein wichtiger Komplex, der bei Depressiven eine große Rolle spielt, sind die Beschwerden und Schmerzen in allen Organen und Körperbereichen. Rund 60% der depressiven Menschen, vor allem Frauen, leiden daran. Am häufigsten sind es Rücken- und Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, Verdauungsprobleme: Sie treten bei depressiven Menschen zwei- bis dreimal häufiger als bei “gesunden” Menschen auf. Bei anderen Menschen verlagert sich der Schmerz ganz auf das Herz. Es treten neben Herzrhythmusstörungen zusätzlich Herzängste auf, die sich bis zur Panik steigern können. Als körperliches Symptom wird von Depressiven auch das allgemeine Krankheitsgefühl, das sich in Kraftlosigkeit, Energieverlust und Erschöpfung ausdrückt, empfunden. Oft verschlimmern sich unter einer Depression bereits vorhandene leichte körperliche Beschwerden, so etwa Rücken- und Nackenschmerzen oder Atembeschwerden.

Mit einer Depression einher geht der Verlust an Empfindungsfähigkeit und Interesse an Sexualität. Betroffene haben weniger oder gar keine Lust mehr auf Intimität, körperlichen Kontakt und Sexualität. Andere merken, dass sie bei der Sexualität weniger oder gar nichts mehr empfinden. Dies kann zu heftigen Störungen in Beziehungen und Ehen führen. Viele dieser Gemütszustände, Stimmungen und Beschwerden kennen die meisten Menschen. Erst wenn mehrere dieser Beschwerden gleichzeitig auftreten, eine bestimmte Zeit lang dauern und eine gewisse Stärke überschreiten, werden sie zur Qual und zu einer Krankheit. Einzelne Symptome sind “normale”, natürliche Reaktionen auf Erfahrungen von z. B. Verlust, Misserfolg, Enttäuschung, Belastung, Zeiten der Ziellosigkeit, der Einsamkeit oder der Enttäuschung.

Wann und wodurch die Grenze zwischen diesen “normalen” Reaktionen und den als klinisch auffällig betrachteten Symptomen überschritten wird, ist noch immer eine ungelöste Frage.

Krankheitsbild der Depression

Neben der umgangssprachlichen Verwendung des Begriffs “Depression” auf Verstimmtheitszustände im Bereich normalen Erlebens spricht man in der Medizin und Psychologie dann von einer “Depression” (genauer: “Depressiven Episode”) als ernsthafter psychischer Erkrankung, wenn die nachfolgenden Kriterien erfüllt sind.

Merkmale einer “Depressiven Episode” (nach ICD-10)

A) Depressive Episoden sollte mindestens zwei Wochen dauern.

B) Mindestens zwei der folgenden Symptome liegen vor:

– depressive Verstimmung (Schwermut) besteht über die meiste Zeit des Tages,

– Interessenverlust oder Freudlosigkeit,

– verminderter Antrieb oder gesteigerte Ermüdbarkeit.

C) Mindestens zwei oder mehr zusätzliche Symptome:

– Verlust des Selbstvertrauens oder des Selbstwertgefühls,

– Selbstvorwürfe, Schuldgefühle,

– Hoffnungslosigkeit,

– Gedanken an den Tod oder an Selbstmord,

– vermindertes Denk- oder Konzentrationsvermögen, Unentschlossenheit,

– psychomotorische Agitiertheit oder Hemmung,

– Schlafstörungen,

– Appetitverlust mit entsprechender Gewichtsveränderung,

– zahlreiche körperliche Beschwerden.

D) Einbuße der Leistungsfähigkeit und des sozialen Funktionsniveaus.

Dabei werden Depressionen heute durch eine Anzahl (mindestens vier) gleichzeitig vorhandener Beschwerden, die über eine gewisse Zeit (mindestens zwei Wochen) andauern müssen, diagnostiziert. Die Beschwerden dürfen nicht durch andere Erkrankungen oder Umstände (z.B. Trauerreaktion, Drogeneinfluss, Tumor) erklärbar sein. Oft sind die aufgelisteten Beschwerden am frühen Morgen oder in der Nacht schlimmer. Man spricht dabei auch von “Morgentief”. Es gibt auch Schwankungen über die Jahreszeiten (Winterdepression).

Männer tun sich häufig schwer, ihre Gefühle und Beschwerden richtig wahrzunehmen. Oft wollen sie die Antriebslosigkeit und die Depression nicht zulassen, bagatellisieren oder geben unzureichend Auskunft. Klinisch sollte daher bei Männern schon früher, d.h. schon bei weniger als vier gleichzeitig auftretenden und sich über länger als eine Woche haltende Symptome, eine Depression in Betracht gezogen werden. Jede depressive Episode kann durch andere Beschwerden gekennzeichnet sein. Es sind die unterschiedlichsten Muster an Symptomen möglich. Alle Beschwerden können auch bei anderen seelischen und körperlichen Erkrankungen vorkommen. Die Beschwerden kommen außerdem in unterschiedlicher Ausprägung, Dauer und Schwere vor. Das Erkennen einer depressiven Erkrankung erfordert also immer eine sorgfältige und ausführliche psychologische und ärztliche Diagnostik.

Phasen der Schwermut gelten als „leicht“, wenn vier bis fünf, als „mittelschwer“, wenn sechs bis sieben und als „schwer“, wenn acht und mehr der oben im Kasten aufgelisteten depressiven Symptome gleichzeitig vorliegen.

Im Alter zeigt sich eine Schwermut oft als seichte oder gar unterschwellige Erkrankung. Es gilt als gesichert, dass bei älteren Menschen die Anzahl gleichzeitig vorhandener Beschwerden oft unter der Schwelle von vier Symptomen liegt. Auch wird das Zeitkriterien von zwei oder mehr Wochen Dauer (der Symptome) oft nicht erreicht. Im Alter ist ein viel häufigerer Wechsel (man spricht von „Fluktuation“) der Beschwerden üblich.

Gleichzeitig weiß man jedoch, dass diese unterschwelligen Depressionen nicht weniger einschränkend, Leistung mindernd und gefährlich sind. Jede unterschwellige Depression birgt außerdem das Risiko, sich zu einem Vollbild einer depressiven Episode oder einer chronisch verlaufenden Schwermut zu entwickeln. Gerne übersehen werden lang anhaltende („chronische“), doch weniger stark ausgeprägte Depressionen, so genannte „Dysthymien“. Diese beginnen oft schon früh im Leben und dauern über Jahre, nicht selten lebenslang an. Ihre Symptomatik ist weniger prägnant ausgeprägt. Es dominieren die Erschöpfung, die Müdigkeit, alles wird als anstrengend erlebt. Diese Betroffenen fühlen sich unzulänglich und schlafen schlecht.

Merkmale einer „Dysthymie“

A)    Depressive Verstimmung sollte die meiste Zeit des Tages und an mehr als der Hälfte aller Tage über mindestens ein Jahr ( oder länger) andauern.

B)    Während der depressiven Verstimmung sollten mindestens zwei der folgenden Symptome bestehen:

–          Energiemangel oder Erschöpfung,

–          Freudlosigkeit

–          Appetitlosigkeit oder übermäßiges Bedürfnis zu essen,

–          Schlaflosigkeit oder übermäßiges Schlafbedürfnis,

–          geringes Selbstwertgefühl,

–          Konzentrationsstörungen oder Entscheidungsschwierigkeiten,

–          Hoffnungslosigkeit.

Die meiste Zeit herrschen diese lähmenden Beschwerden vor, nur selten und nicht länger als wenige Tage oder Wochen klingen sie ab und die Betroffenen fühlen sich vorübergehend besser.

Eine besondere Erkrankung stellt die „manisch-depressive“ oder auch „bipolare“ Störung dar. Hier kommen neben den depressiven Episoden auch manische Episoden vor. Die depressiven Phasen entsprechen den bereits zuvor genannten Merkmalen einer Depressiven Episode. Alleine an diesen depressiven Merkmalen kann man eine unipolare nicht von einer bipolaren Erkrankung unterscheiden. Wesentlich bei einer bipolaren Erkrankung ist das Auftreten von manischen Symptomen, wobei es den Betroffenen dann meist „gut“ geht, sie voller Energie und Kraft und bester Stimmung sind, ihr Selbstwertgefühl übersteigert ist, sie kaum Schlaf brauchen, alles anpacken, betriebsarm sind, ständig reden und sich von allem angesprochen bzw. herausgefordert fühlen. Es kann auch zu aggressiven und gereizten Zuständen kommen.  In diesem Zustand sind die Betroffenen eine Last für die Angehörigen.

Die Betroffenen zeigen keine Einsicht, denn sie fühlen sich ja bestens. Die Angehörigen werden unter Umständen als bremsend und behindernd erlebt, was dann zu gereizter, ja aggressiver Stimmung und Interaktion führen kann. Wenn die Symptomatik in eine depressive Phase kippt, wird der Unterschied zwischen dem Energie geladenen, manischen Zustand und dem antriebs- und freudlosen, depressiven Zustand oft sehr viel drastischer erlebt als die depressive Symptomatik bei unipolaren Erkrankungen.

Merkmale einer „Manischen Episode“

A)    Manische Episode sollte mindestens eine Woche dauern.

B)    Abnorme, anhaltend gehobene, expansive oder reizbare Stimmung besteht über die meiste Zeit des Tages.

C)    Mindestens drei oder mehr zusätzliche Symptome (in deutlichem Ausmaß):

–          übersteigertes Selbstwertgefühl, Größengefühl,

–          vermindertes Schlafbedürfnis (3 Stunden Schlaf reichen aus),

–          vermehrte Gesprächigkeit, Rededrang,

–          Ideenflucht, Gedankenrasen,

–          erhöhte Ablenkbarkeit, Beschäftigung mit irrelevanten Reizen,

–          gesteigerte Betriebsamkeit, psychomotorische Unruhe,

–          übermäßige Beschäftigung mit angenehmen Aktivitäten, die unangenehme Folgen haben.

D)    Einbuße der Leistungsfähigkeit und des sozialen Funktionsniveaus.

Verlauf von Depressionen

Es ist typisch, dass Depressionen wiederkehrende Störungen sind. Wer einmal eine – wenn auch leichte – Depression durchlebt hat, trägt das Risiko in sich, bei Belastungen erneut schwermütig zu werden. Es besteht also ein hohes Rückfallrisiko für eine Depression!

Viele Depressionen verlaufen unerkannt und unbehandelt. Man schätzt, dass über die Hälfte der depressiven Störungen nicht erkannt werden und selbst von den erkannten Depressionen wieder fast die Hälfte nicht oder nicht angemessen behandelt wird. Die meisten Depressionen bessern sich allmählich wieder. Vor allem in jungen Jahren sind die Episoden begrenzt und die Genesung tritt oft auch ohne Behandlung nach einigen Wochen (meist drei bis sechs Monate) ein. Mit fortschreitendem Alter verlängern sich die Episoden und die Besserung bzw. Genesung verzögert sich. Es besteht sogar eine Tendenz zur Chronifizierung.

In einer schwermütigen Phase kann es zu starken Beschwerden kommen. In dieser Phase gelingt es dem Betroffenen nicht mehr, sich z.B. von den Schuldgefühlen, den Verarmungsideen oder gar der Überzeugung, gesündigt zu haben, zu befreien. Die Symptome können dann richtiggehend wahnhaft oder psychotisch sein. In einem derartigen schweren Erkrankungszustand gelingt es nicht mehr, zu dem Betroffenen durchzudringen und durch Zuwendung, Gespräche oder Erfahrungen korrigierend zu wirken.

Bei älteren Menschen kann es leichter als bei jüngeren zu diesen wahnhaften Symptomen kommen. Dies ist z.T. durch eine Medikamentenunverträglichkeit bedingt (z.B. bei Einnahme mehrerer Präparate) oder wird durch Herz-Kreislauf-Störungen bzw. durch Störungen von Sinnesorganen (z.B. Schwerhörigkeit) verursacht. So macht Schwerhörigkeit leicht misstrauisch, sie verunsichert, und anderen Personen wird dann leicht unterstellt, sie würden etwas hinter dem Rücken der Betroffenen planen usw.

Verbreitung von Depressionen

Depressionen sind weitverbreitete psychische Störungen, die zudem in den letzten Jahrzehnten häufiger wurden. Ohne eine gute Erklärung dafür zu haben, sind vor allem die jüngeren Altergruppen (20- 30- Jährige) davon betroffen. Untersuchungen in Industrienationen zeigen, dass sieben bis zehn Prozent (also etwa 25 Millionen) der Europäer gegenwärtig an einer Depression leiden (2006).

Berühmte Menschen, die an Depressionen litten, haben trotz ihrer Erkrankung unser Leben, die Kunst und die Geschichte bereichert: Abraham Lincoln, Ludwig van Beethoven, Robert Schumann, Leo Tolstoi, Isaac Newton, Hermann Hesse, Paul Gauguin, Frederic Chopin, Gustav Mahler, Martin Luther, Marylin Monroe, Prinz Claus von Holland, Winston Churchill u.v.a.

Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an einer Depression (Dysthymie und depressive Episode) zu erkranken, liegt bei 12 Prozent für Männer und bei 26 Prozent für Frauen (Stand 2006). Das heißt, dass etwa jede vierte Frau und etwa jeder sechste Mann irgendwann im Leben schwermütig sein werden.

Manisch-depressive Erkrankungen sind seltener und liegen bei ein bis zwei Prozent in der Gesamtbevölkerung. Etwa 4 Millionen Europäer leiden an dieser bipolaren Störung. Während man lange davon ausging, dass Depressionen im höheren Lebensalter häufiger als bei Jüngeren anzutreffen sind, weisen neue Erkenntnisse darauf nicht hin. Depressionen kommen bei älteren und jüngeren Altersgruppen in etwa  gleich häufig vor. Das Risiko für das erstmalige Auftreten einer ernsthaften Depression ist im Alter sogar geringer als bei jüngeren Altersgruppen. Seit einigen Jahren beobachtet man, dass Depressionen immer früher beginnen und heute (Stand 2006) schon Jugendliche und junge Erwachsene betreffen.

Eine Erhebung an 20.000 Patienten, die zu einem bestimmten Tag eine Hausarztpraxis aufsuchten, ergab, dass zwischen acht Prozent (Männer) und 14 Prozent (Frauen) an einer ausgeprägten Depression litten. Nimmt man leichte Depressionen und depressive Beschwerden hinzu, dann erreichen die Zahlen 28 Prozent, wie in einer Erhebung im Rahmen des Kompetenznetzes Depression (eine Forschungsinitiative der Bundesregierung) festgestellt wurde.

Insgesamt sind Depressionen (in allen Abstufungen) mit 25 bis 30 Prozent eindeutig die häufigsten seelischen Störungen. Alarmierend ist, dass diese Zahlen noch zunehmen. Eine Schätzung der Weltgesundheitsorganisation geht dahin, dass bis 2020 Depressionen neben den Herz-Kreislauf-Erkrankungen das meiste Leiden sowie die größten krankheitsbedingten Ausfälle und Behinderungen verursachen werden.

Entstehung von Depressionen

Es gibt Risikofaktoren die zu beitragen, eine Depression bekommen zu können. Wenn ich nun die einzelnen Risikofaktoren vorstelle, dann ist damit die Wahrscheinlichkeit eine Depression zu bekommen erhöht, nicht, dass man diese auch unmittelbar bekommen muss. Man weiß jedoch, je mehr Risikofaktoren vorliegen, desto sicherer wird die Vorhersagekraft (Wahrscheinlichkeit). Es gilt zu bedenken, dass Risikofaktoren durch andere Bedingungen abgepuffert und aufgefangen  werden können.

Wie bei vielen Dingen im Leben kann eine Sache eine andere, ungünstige Entwicklungen ausgleichen.  Eine Brille gleicht z.B. die Kurzsichtigkeit aus und erlaubt so fast alle Dinge zu tun, die auch einem Normalsichtigen offen stehen. Dies gilt auch für die Entwicklung bzw. die Verhinderung von  Depressionen.

Frühere Depressionen: Das Risiko für eine depressive Entwicklung ist erhöht, wenn bereits früher ängstliche und depressive Symptome oder gar heftige Ängste bzw. depressive Episoden aufgetreten sind. Dabei müssen die früheren Erfahrungen nicht heftig und lang andauernd gewesen sein oder zu einer Behandlung geführt haben. Jede schwermütige Phase erhöht das Risiko, bei Belastungen und Krisen erneut mit depressiven Symptomen zu reagieren.

Depressionen in der Familie (bei Eltern, Geschwistern, Großeltern): Die Neigung zur Schwermut kommt in Familien gehäuft vor. Ist bekannt, dass in einer Familie die nahen Verwandten an einer Depression oder an einer manisch-depressiven Erkrankung litten, dann erhöht sich das Risiko für Depressionen. Die Schwermut kann dann ohne klaren oder heftigen Anlass plötzlich auftreten. Die Depressionen treten dann sogar oft schon in jüngeren Jahren auf. Im Laufe des Lebens kann es zu wiederholten Phasen der Schwermut kommen.

Neigung zu Krankheiten: Personen, die in jüngeren Jahren häufig krank waren oder leicht krank wurden, haben ein erhöhtes Risiko für Depressionen. Damit sind vor allem Infektionskrankheiten, andere psychische Krankheiten (wie z.B. soziale Ängste, Panik, Zwanghaftigkeit), Stressanfälligkeit, Kreislaufprobleme, psychosomatische Erkrankungen, aber auch Gesundheitsängstlichkeit gemeint.

Aktuelle Gebrechen und chronische Krankheiten: Menschen mit körperlichen Gebrechen (z.B. Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Allergien, Tumore) oder / und chronischen Behinderungen körperlicher Funktionen (z.B. Sehschwäche, Beweglichkeit, Muskelschwäche) neigen eher zu Depressionen. Je mehr Gebrechen vorliegen und je stärker diese Gebrechen sind, desto mehr führen sie zu Hilflosigkeit, Resignation und Depression.

Medikamenteneinnahme und Einfluss von Präparaten: Bestimmte Medikamente und verordnete Präparate erhöhen das Risiko einer Schwermut. Zu diesen Mitteln gehören blutdrucksenkende Mittel, Hormonpräparate (z.B. die Schilddrüse betreffend), Kortikosteroide, Antiparkinsonmittel, Zytostatika, Beruhigungsmittel usw. Dabei gibt es in der Regel gute Gründe für die Verordnung der Medikamente. Oft werden Patienten nicht über dieses Risiko –  man kann auch sagen die unerwünschte Nebenwirkung – einer Depression aufgeklärt.  Im höheren Alter kommt hinzu, dass oft mehrere, verschiedene Medikamente genommen werden müssen, die sich wechselseitig beeinflüssen oder auf die ein alternder Körper ganz anders reagiert als ein jüngerer Körper.

Verlusterfahrungen: Verluste von nahestehenden, wichtigsten, geliebten und vertrauten Personen (z.B. Ehepartner, Eltern, Freunde, Nachbarn, Gleichaltrige), doch auch von sozialen Rollen (z.B. Berufstätigkeit, Mutter der Kinder), von Aufgaben (z.B. für Haushalt alleine verantwortlich sein, Vorarbeiter) und Funktionen (z.B. Vereinsvorsitzender, Abteilungsleitung) begünstigen Schwermut und depressive Entwicklungen. Andere Personen, bestimmte Funktionen und Aufgaben geben uns Anerkennung, Struktur, Genuss, Vergnügen, Rückmeldung und Lob. Das alles erhöht den Selbstwert. Fallen diese Aufgaben oder die wichtigsten Personen weg, dann wird eine Lücke gerissen, die schwer oder nur langsam auszugleichen ist. Oft gibt es keinen Ersatz für den Verlust.

Defizite und Lücken im Verhalten: Um mit Anforderungen und Belastungen fertig zu werden, bedarf es Stärken und Kompetenzen. Kompetenzen sind Fertigkeiten, die sich im Verhalten, beim Problemlösen, in der Bewältigung, im Handeln und im Denken zeigen. Im Laufe des Lebens erwerben wir alle mehr oder weniger derartige Fertigkeiten. Das können berufliche oder soziale, spirituelle und intellektuelle, sportliche und zwischenmenschliche Fertigkeiten sein. Werden wir mit Anforderungen und Belastungen konfrontiert, für die wir keine Bewältigungsfertigkeiten besitzen, dann erleben wir Hilflosigkeit. Gelingt es nicht mit einer Anforderung umzugehen oder eine Belastung zu bewältigen, dann entwickelt sich die erlebte Hilflosigkeit zu Resignation und Schwermut.

Wenige Interessen und Mangel an Zielen: Eine Person, die ihr Leben z.B. nur auf Arbeit oder nur auf Familie ausgerichtet hat, wird mit dem Verlust der Arbeit (z.B. durch Pensionierung) oder mit dem Verlust eines Familienmitglieds (z.B. durch Auszug oder durch Tod) viel  schwerer fertig, als eine Person, die verschiedene Interessen hat und neue, persönliche Ziele entwickelt. Personen mit wenigen Interessen und eingeschränkten Zielen sind für Enttäuschung, Resignation und Schwermut sehr anfällig.

Gleichförmigkeit des Alltags, des Wochen- und Jahresablaufs: Gestaltet sich der Tages- und Wochenablauf in immer gleicher Weise, dann entsteht schnell das, was man  „Abnutzung“ nennen kann. Selbst lieb gewonnene Handlungen und Ereignisse verlieren ihre Wirkung, wenn nichts Neues passiert. Das Erstarren in Routine und festen Abläufen führt zu Sättigung, Langeweile, Resignation und Antriebslosigkeit.

Mangel an Beschäftigung und angenehm erlebten Aktivitäten: Menschen, die neben ihrer Arbeit keine anderen, vor allem angenehme Aktivitäten haben, werden von dem Verlust der Arbeit (z.B. durch Auszug der Kinder,  durch Pensionierung) heftig getroffen. Dies gilt z.B. auch für Personen, die ihre ganze Freude aus der Gartenarbeit ziehen. Treten körperliche Gebrechen auf (z.B. Probleme mit den Knien), die Gartenarbeit nicht mehr erlauben, dann bricht eine ganze Welt zusammen. Es lassen sich viele ähnliche Beispiele finden. Etwa die Hausfrau und Mutter, die immer nur für Familie, die Kinder und den Ehemann da war.  Verstirbt der Ehepartner und die Kinder leben weit entfernt, dann ist die Welt plötzlich sehr leer.

Menschen mit wenigen, einseitigen Beschäftigungen und dem Fehlen von alternativen, angenehmen Aktivitäten sind viel anfälliger für Depressionen als Personen, die auf breit gestreute Aufgaben, viele angenehme Aktivitäten und Genuss bringende bzw. ablenkende Tätigkeiten zurückgreifen können.

Starre Einstellungen und wenig flexible Überzeugungen: Menschen mit festen, wenig flexiblen, starren Vorstellungen, hohen Ansprüchen und Perfektionismus, ausgeprägter Misserfolgsorientierung und pessimistischen Haltungen gelingt die Anpassung an sich verändernde Gegebenheiten und unveränderbare Entwicklungen im Leben sehr schwer. Die Haltung, dass bestimmte Dinge immer so gemacht wurden und nun weiter so sein müssen, begünstigt Depressionen.

Die Erwartung einer vermeintlich schlechten Nachricht oder auch bei Veränderungen pocht das Herz, die Muskeln sind angespannt, der Blutdruck steigt, und der kalte Schweiß steht uns auf der Stirn. Eine typische akute Stressreaktion, die nicht lange andauert. Das körperliche Gleichgewicht ist bald wieder hergestellt. Es bleiben keine nachhaltigen Folgen für die Gesundheit, und die Körperfunktionen pendeln sich wieder in den Normalzustand ein.

Wenn Stressoren mit wechselnder Intensität und über eine lange Zeit auf den Menschen einwirken, können Stress-Symptome auftreten und es kommt zu Dauerstress. Anders als beim akuten Stress kann der Körper unter Dauerstress das in Unordnung geratene körperliche und seelische Gleichgewicht nicht wieder (von allen) herstellen. Dauerstress bewirkt dann erhebliche Stoffwechselverschiebungen, besonders eine vermehrte Ausschüttung des Stresshormons Kortisols und Störungen der Funktionen des autonomen Nervensystems. Diese Veränderungen führen zu körperlichen Krankheiten und sind Mitauslöser von Depressionen.

Besonders bedrohlich werden Stressoren dann, wenn wichtige Lebensbereiche berührt werden. So kann die unerwartete Entlassungen eines älteren Arbeitnehmers, für den es auf dem Arbeitsmarkt keine Optionen gibt oder der Verlust des Partners verheerende Folgen für die Gesundheit haben. Es kommt zu Dauerstress und Depression. Dabei können sich mehrere Stressoren, wenn sie kurz hintereinander eintreten, ohne Erholungsphase dazwischen, wechselseitig aufschaukeln.

Forscher haben Lebensereignisse nach ihren Auswirkungen auf Körper und Seele untersucht und daraus einen Belastungswert errechnet. Je höher der Belastungswert, desto massiver die Gefahr für Depression und Krankheit.

Ursachen und Erklärung von Depressionen

Kliniker und Wissenschaftler stimmen darin überein, dass die Entstehung von Depressionen in der Regel das Ergebnis einer längeren Entwicklung ist. Personen, die eine Bereitschaft (man spricht von „Vulnerabilität“ oder „Verletzbarkeit“) dafür haben, entwickeln eine Depression. Diese Verletzbarkeit kann aus vielen Quellen stammen, wie Erfahrungen, Traumatisierungen und Lernen im Laufe des Lebens (bis zurück in die Kindheit). Es können angeborene oder erworbene Stoffwechselstörungen, ungünstige Hirnstrukturen sein. Erfahrungen in der Familie, in der Ehe, im Beruf oder erlebte Notzeiten behindern adäquate Entwicklungen und führen zu fehlerhaften, ungünstigen Verarbeitungsmustern, Verschaltungen und Hirnstrukturen. Fertigkeiten, Stärken, Bewältigungsformen konnten nicht angemessen gelernt werden.

Chronische oder einzelne heftige Belastungen erschöpfen das Nervensystem und machen mürbe. Mit fortschreitendem Alter verändern sich Hirnstrukturen, Stoffwechselprozesse und die seelischen Reserven. Dadurch wird man für negative Erfahrungen verletzlicher und Hilflosigkeit stellt sich ein.

Die Ursachen einer Depression liegen also immer in körperlichen, nervlichen, lebensgeschichtlichen, sozialen, zwischenmenschlichen oder seelischen Vorgängen. Bei sich einstellender Schwermut und Depression ist immer der Stoffwechsel im Gehirn bzw. in bestimmten Teilen des Gehirns (Antriebs- und Emotionszentrum) verändert. Vor allem der Aminstoffwechsel (z.B. Serotonin) und die entsprechenden Rezeptoren für diese Stoffe sind gestört. Durch ungeschicktes Verhalten und Denken, durch weitere Belastungen, durch andere Krankheiten wird das subtile Gleichgewicht des Hirnstoffwechsels zusätzlich gestört. Eine Ausweitung der Schwermut ist die Folge. Die Depressionsspirale lässt eine Person immer tiefer in die Resignation, die Gefühl- und Antriebslosigkeit, die körperlichen Beschwerden, den Interessenverlust, die Verzweiflung rutschen. Am Ende stehen dann Leere und eine ernsthafte Depression.

Die schon genannten Risikofaktoren für Depressionen begünstigen eine Depression jedoch nicht nur bei anfälligen Personen. Jeder Mensch kann depressiv werden, wenn mehrere oder für eine bestimmte Person wichtige Risikofaktoren vorliegen. Auch dabei gilt, dass die Gefahr für eine Depression nicht immer gleich hoch ist. Es gibt Zeiten, da ist man robuster und somit geschützter. Zu anderen Zeiten ist man anfälliger. Durch Reserven, Fertigkeiten, soziale Unterstützung und Hilfen, durch geschickte Bewältigung, günstige Alltagsgestaltung, flexible Veränderungen, Entlastungen und Selbsthilfe kann eine Depression abgemildert, verhindert oder abgefangen werden.

Behandlungsmöglichkeiten bei Depressionen

Trotz des noch mangelhaften Wissens über die Ursachen von Depressionen im Alter gibt es hilfreiche und wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Die fachlichen und durch wissenschaftliche Arbeiten belegten Behandlungsmöglichkeiten teilt man allgemein in drei Gruppen ein:

–          antidepressive Medikamente,

–          Psychotherapien,

–          Andere medizinische Behandlungen (Licht, Schlafentzug, Elektrokrampf, Gehirn- bzw. Nervenstimulation u.a.).

Daneben gibt es verschiedene alternative Maßnahmen (z.B. Bewegungstherapie, Körpertherapie, Ernährungsumstellung, Hypnose, Religion), die im Einzelfall helfen, deren Wirkweisen jedoch unklar sind bzw. deren Wirksamkeit bislang zumindest bei Depressionen nicht belegt ist.

Antidepressiva und andere Medikamente gegen Depressionen

Antidepressiva sind eine Gruppe wirksamer Medikamente, die helfen, Antriebslosigkeit und Stimmungstiefs zu überwinden. Diese Medikamente wirken unmittelbar auf das Ungleichgewicht in Hirnstoffwechsel, auf die gestörte Empfindlichkeit der Rezeptoren an den Nervenzellen und andere biologische Faktoren ein. Die Wirksamkeit der Medikamente ist langsam. Es dauert einige Tage bis zu drei Wochen, bis positive Veränderungen merkbar sind. Das empfindliche Gleichgewicht des Hirnstoffwechsels muss erst wieder hergestellt werden, das bei einer bestimmten Person am besten hilft und die wenigsten Nebenwirkungen hat.

Mit dem behandelnden Arzt, meist dem Hausarzt, doch besser einem Facharzt für Psychiatrie, sollte das Für und Wider der Tabletteneinnahme genau abgewogen werden. Die Risiken und Nebenwirkungen der Medikamente müssen den positiven Wirkungen, die durch die Tabletteneinnahme hervorgerufen werden, gegenübergestellt werden. Die Möglichkeit einer Kombination von Pharmakotherapie und Psychotherapie sollte diskutiert werden.

Die Nebenwirkungen der neuen Antidepressiva sind gering, meistens verschwinden sie nach den ersten Wochen der Einnahme. Auch wenn man sie über eine lange Zeit einnimmt, wird der Alltag nicht beeinträchtigt, und diese Medikamente machen nicht süchtig. Viele Patienten haben zu Beginn der Einnahme Vorbehalte gegen Antidepressiva, ändern dann aber häufig die Meinung nach einigen Tagen der Therapie.

Die Wirksamkeit von Antidepressiva ist überzeugend belegt. Dennoch bleiben Wünsche offen, weil 30 Prozent der Patienten nach zwei Jahren immer noch Restsymptome der Depression haben. Gerade diese Patienten erleiden mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent einen Rückfall. Die verbleibende depressive Symptomatik wird selbst zum Stressor und kann neue depressive Phasen auslösen.

Auf jeden Fall sollte nach zwei Wochen der Tabletteneinnahme zumindest eine leichte Besserung von etwa 20 Prozent eingetreten sein, andernfalls sollte man das Präparat wechseln. Es wird heute empfohlen, die Medikamente, die helfen, nicht gleich wieder abzusetzen, sondern mindestens sechs Monate oder gar noch länger weiter zu nehmen.

Antidepressiva werden auch bei leichten Depressionen, Ängsten, Schlafstörungen und Schmerzzuständen verordnet. Die Dosierung ist individuell anzupassen und sollte immer mit dem behandelnden Nervenarzt genau besprochen werden. Selbstständige Änderungen der Dosierung oder das gelegentliche Auslassen sind ungünstig und nicht hilfreich. Regelmäßige ärztliche Kontrollen müssen durchgeführt werden. Die verordneten Einnahmezeiten und Einnahmemengen sind genau einzuhalten.

Psychotherapien

Erfolg versprechende und wirksame Psychotherapien setzen an den psychologischen und sozialen Ursachen, an der Stressreduktion, der Verbesserung der Alltagsstruktur, den Verhaltenslücken und ungeschickten Bewältigungsformen, am negativen Denken und anderen Belastungen an.

Ziel ist es, Kontrolle über die Schwermut zu bekommen bzw. zu behalten, Depressionen zu verhindern und in ihrer Schwere einzugrenzen. Jede erfolgreiche Psychotherapie bei Depressionen will und sollte den betroffenen Personen Wissen über die Krankheit, deren Symptomatik, Verlauf und Entstehung vermitteln. Ferner soll der Betroffene lernen, Auslöser, Risikofaktoren, persönliche Ursachen und diese zu kontrollieren. Kontrollieren meint dabei nicht nur verstehen und aussprechen, sondern tun, ausprobieren, neu lernen, üben, verändern, geschickt umgehen und aktiv handeln. Der Betroffene lernt so, sich selbst zu helfen und Kontrolle über seine Depression und deren Verlauf zu bekommen. Bei der Behandlung von Depressionen haben sich drei Formen von Psychotherapie bewährt, wenngleich der wissenschaftliche Erkenntnisstand noch längst nicht befriedigt ist. Diese Therapieformen sind: Kognitive Verhaltenstherapie, Interpersonale Psychotherapie und Psychodynamische Psychotherapie.

(Quelle: Martin Hautzinger, “Ratgeber Depression – Informationen für Betroffene und Angehörige”, 2006)