Physiologische Besonderheiten

In ihrem Positionspapier zur vegetarischen Ernährung bewertet die American Dietetic Association eine sorgfältig zusammengestellte vegane Ernährung als geeignet für alle Lebensphasen. Definitionsgemäß bedeutet vegane Ernährung Verzicht auf alle tierischen Nahrungsmittel. Die Eiweißzufuhr bei Veganern ist bedarfdeckend, wenn eine Vielzahl pflanzlicher Nahrungsmittel konsumiert wird, wobei insbesondere Hülsenfrüchte, Getreide und Nüsse sehr gute Eiweißträger sind.

Es ist aber nicht erforderlich, dass sich gegenseitig ergänzende Proteine mit derselben Mahlzeit eingenommen werden. Insgesamt wird der Eiweißbedarf von Veganern wegen der schlechteren Verdaulichkeit von Pflanzenproteinen um ca. 20-30 Prozent höher eingestuft als bei Nichtveganern.

Die ernährungsmedizinischen Studien mit Veganern haben ergeben, dass diese ein sehr günstiges Blutfett-Profil aufweisen. Die Cholesterienkonzentrationen liegen noch niedriger als bei Lacto-ovo-Vegetariern. Allerdings ist das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht niedriger als bei Mischköstlern, weil die Homocystein-Konzentrationen bei Veganern sehr häufig zu hoch sind. Homocystein ist ein Risikofaktor für Gefäßerkrankungen, der im Stoffwechsel mit Hilfe der Vitamine B6, B12 und Folsäure abgebaut wird.

Veganer haben meist eine sehr gute Folsäure- und Vitamin B6 Versorgung, oftmals jedoch zu niedrige Vitamin B12 Konzentrationen. Eine deutsche Veganerstudie ergab bei nahezu 80 Prozent der Teilnehmer eine Mangelversorgung mit Vitamin B12. Es ist deshalb dringend anzuraten und ernährungsphysiologisch notwendig, dass Veganer zusätzlich ein Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin B12 einnehmen, anderenfalls kann es unter Umständen zu schweren gesundheitlichen Störungen kommen. Die Empfehlung der Vitamin B12 Supplementierung wird von allen führenden Veganerverbänden ausgesprochen.

Bedauerlicherweise werden in der Fachliteratur sehr häufig Studien publiziert, in denen es um B 12 Mangel Symptome bei Veganern geht; dadurch wird der gesundheitliche Nutzen dieser Ernährungsform stark in Misskredit gebracht. Eine vegane Ernährung ist dann sehr gesundheitsfördernd, wenn die Nahrungsmittelwahl den Makro- und Mikronährstoffbedarf deckt und zusätzlich Vitamin B12 sachgerecht supplemiert wird.

Veganer haben durchschnittlich einen niedrigeren Body-Mass-Index als Lacto-ovo-Vegetarier; also ein geringeres Risiko für Übergewicht. In einigen amerikanischen Studien konnte durch eine vegane Ernährung eine deutliche Besserung von Diabetes – Symptomen erreicht werden. Dabei erwies sich die vegane Ernährung als effektiver als die übliche Diabetiker-Standarddiät.

(Quelle: Dr. med. Hans Günter Kugler; “Vegetarisch essen – Fleisch vergessen”, 2010)