Persönlichkeitsstörungen als Übersicht nach dem ICD-10

Seit dem Jahre 1980 gibt es von der Weltgesundheitsorganisation sogenannte Kriterienkataloge, die die Merkmale psychischer Krankheiten festlegen. Die Bundesrepublik Deutschland hat sich dem Kriterienkatolog ICD angeschlossen, wogegen die amerikanische Version DSM genannt wird. Seit 1980 gibt es den ICD 9, sowie DSM III. Seit 1991 gibt es eine Überarbeitung, die die Kriterien von psychischen Erkrankungen festlegen. Das ist der ICD-10 für Deutschland und Europa, sowie DSM V als amerikanische Version. Nachfolgend beschreibe ich in kurzer Form die Merkmale der gängigsten Persönlichkeitsstörungen.

Paranoide Persönlichkeitsstörung:

Menschen mit paranoider Persönlichkeitsstörung sind vor allem sehr misstrauisch. Sie reagieren sehr empfindlich bei Rückschlägen und zurücksetzung. Praktisch alles wird so aufgefasst, dass es mit feindlicher Absicht gegen sie gerichtet ist. Das gilt auch für ein normales oder freundliches Verhalten von anderen Personen. Betroffene zeigen sich auch sehr schnell beleidigt. Sie neigen zu starkem Groll und weigern sich Beleidigungen, Verletzungen oder Mißachtungen zu verzeihen. Häufig neigen sie zu ungerechtfertigtem Misstrauen gegenüber der sexuellen True des Ehe- oder Sexualpartners. Oft zeigen sie eine starke Tendenz zu überhöhtem Selbstwertgefühl, das sich in ständiger Selbstbezogenheit zeigt. Sie nehmen andere Menschen in Anspruch, durch ungerechtfertigte Gedanken der Verschwörungen in der näheren Umgebung und in aller Welt.

Schizoide Persönlichkeitsstörung:

Diese Störung ist durch emotionale Kälte, Distanziertheit oder flache Affektivität gekennzeichnet. Die Betroffenen können ihre Gefühle nicht ausdrücken. Nur sehr wenige bis hin zu überhaupt keinen Tätigkeiten bereiten den Betroffenen Vergnügen. Sie ziehen sich zurück und sind Einzelgänger, kommunizieren kaum nach außen. Gegenüber Lob und Kritik wirken sie anscheinend gleichgültig. Sie sind ebenfalls misstrauisch gegenüber anderen Personen. Dabei haben die Betroffenen ausgeprägte Phantasien. Häufig haben sie kaum bis keine Freunde und Bekannte und der dementsprechende Wunsch danach scheint ihnen zu fehlen. Eine deutlich mangelnde Sensibilität im Erkennen und Befolgen gesellschaftlicher Regeln ist zu erkennen.

Dissoziale Persönlichkeitsstörung:

Diese Persönlichkeitsstörung heißt auch schizotypisch oder „Grenz-Schizophrenie“. Betroffene zeigen ein ungeschicktes und sonderbares zwischenmenschliches Verhalten. Ihnen fällt es sehr schwer, gute soziale Kontakte zu knüpfen und aufrechtzuerhalten, oft wirken sie herzlos gegenüber den Gefühlen anderer. Betroffene gelten als sehr unkonventionell. Oft sind Merkmale von deutlicher und andauernder Verantwortungslosigkeit und Mißachtung sozialer Normen, Regeln und Verpflichtungen in ihrem Verhalten festzustellen. Die Betroffenen zeigen sehr häufig eine geringe Frustrationstaleranz und eine niedrige Schwelle für aggressives, auch gewalttätiges Verhalten. Die Wahrnehmung der Realität und die Gedanken sind verzerrt, was auch ein Kennzeichen einer Psychose oder Schizophrenie ist.

Emotional instabile Persönlichkeitsstörung:

Diese Persönlichkeitsstörung mit deutlicher Tendenz, impulsiv zu handeln ohne Berücksichtigung von Konsequenzen, und mit wechselnder, instabiler Stimmung. Die Fähigkeit, vorauszuplanen, ist gering und Ausbrüche intensiven Ärgers können zu oft gewalttätigem und explosiven Verhalten führen. Dieses Verhalten wird leicht ausgelöst, wenn impulsive Handlungen von anderen kritisiert oder behindert werden. Zwei Erscheinungsformen dieser Persönlichkeitsstörung werden unterschieden in Borderline-Typus und impulsiven-Typus.

Der Borderline-Typus ist gekennzeichnet dadurch, dass bei den Betroffenen sehr starke Gefühle gegenüber anderen Personen auftreten. Diese können sowohl positiv als auch negativ sein, was sich häufig rasch abwechselt. Einige Kennzeichen emotionaler Instabilität sind vorhanden, zusätzlich sind oft das eigene Selbstbild, Ziele und „innere Präferenzen“ (einschließlich sexueller) unklar und gestört. Meist besteht das chronische Gefühl der „inneren Leere“. Ebenso instabil sind die persönlichen Beziehungen. Die Neigung zu intensiven, aber unbeständigen Beziehungen kann zu wiederholten emotionalen Krisen führen mit übermäßigen Anstrengungen, nicht verlassen zu werden, und mit Suiziddrohungen oder selbstschädigenden Handlungen. Neben Borderline im engeren Sinne gibt es aber noch eine zweite Unterform der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung, nämlich den impulsiven Typ. Betroffene können besonders schwer ihre Impulse beherrschen. Beim impulsiven Typ haben die Betroffenen Schwierigkeiten der Selbstkontrolle, Kritikunfähigkeit, und zeigen häufig gewalttätiges Verhalten.

Narzisstische Persönlichkeitsstörung

Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung sind sehr ich-bezogen und neigen zur Überschätzung ihrer Fähigkeiten. Sie haben in ihrem Innern allerdings auch starke Selbstzweifel. Dies kompensieren sie damit, dass sie nach außen hin übermäßig selbstbewusst wirken. Das Einfühlungsvermögen gegenüber anderen Menschen ist mangelhaft. Auf Kritik reagieren sie mit Wut, Scham oder Demütigung. Der Betroffene nützt zwischenmenschliche Beziehungen aus, um mit Hilfe anderer die eigenen Ziele zu erreichen. Der Betroffene ist der Ansicht, dass seine Probleme einzigartig sind und dass er nur von besonderen Menschen verstanden werden könne. Er beschäftigt sich ständig mit Phantasien grenzenlosen Erfolges, Macht, Glanz, Schönheit oder idealer Liebe. Legt ein Anspruchsdenken an den Tag, und zeigt übermäßige Erwartungen an eine bevorzugte Behandlung, und meint z.B., dass er sich nicht wie alle anderen auch in die Schlange beim Bäcker oder sonstwo anstellen muss. Er zeigt einen Mangel an Einfühlungsvermögen und kann nicht erkennen und nachempfinden wie andere fühlen. Er ist innerlich sehr stark von Neidgefühlen geplagt.

Histrionische Persönlichkeitsstörung:

Früher wurde diese Störung „Hysterie“ genannt. Betroffene zeigen ein gekünsteltes, schauspielerisches Verhalten. Ihr Verhalten ist von Dramatisierung bezüglich der eigenen Person, theatralisches Verhalten und von übertriebener Ausdruck von Gefühlen geprägt. Sie wollen unbedingt der Mittelpunkt des Geschehens sein. Sie zeigen ein Andauerndes Verlangen nach Aufregung, Anerkennung durch andere und Aktivitäten, bei denen sie stehts im Mittelkpunkt stehen. Sie wollen besonders attraktiv sein und scheuen auch vor Lügen und übertriebenen Geschichten nicht zurück, um Aufmerksamkeit zu erreichen. Oft zeigen sie ein übertriebenes und unangemesses verführerisches Verhalten in ihrem äußeren Erscheinungsbild, dadurch haben sie ein übermäßiges Interesse an körperlicher Attraktivität. Bei dem Betroffenen ist außerdem eine erhöhte Kränkbarkeit und andauernd manipulativers Verhalten zur Befriedigung eigener Bedürfnisse zu beobachten.

Anankastische (zwanghafte) Persönlichkeitsstörung:

Diese zwanghafte Persönlichkeitsstörung ist durch einen starken Perfektionismus gekennzeichnet. Betroffene sind übertrieben genau und richten sich starr nach gegebenen Regeln. Alles muss exakt kontrolliert werden. Dies kann manchmal von Vorteil sein, oft aber zu Problemen führen, weil sie dadurch in ihren Handlungen blockiert werden. Zudem ist die mangelnde Flexibilität eine hinderliche Eigenschaft. Sie legen großen Wert auf die Unterordnung anderer unter die eigenen Gewohnheiten und müssen ständig Aufgaben in ihrem Sinne delegieren. Sie werden häufig von von unerwünschten Gedanken und Impulsen bedrängt. Menschen mit dieser Persönlichkeitsstörung zeigen ein übersteigertes Maß an Zweifel und Vorsicht. Sie sind ständig damit beschäftigt auf Regeln zu achten, fertigen Listen an und sorgen sich um Ordnung, Organisation oder Plänen.

Ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung:

Diese Menschen sind getrieben von dem andauernde Gefühl der ängstlich-vermeidenden Drang und Sie zeigen eine starke Abneigung, sich auf persönliche Kontakte einzulassen, außer sie sind sich sicher, gemocht zu werden. Sie machen sich ständig über alles mögliche Sorgen. Sie sind sehr unsicher und fühlen sich minderwertig. Oft ist es den Betroffenen hinderlich, dass sie überall auf Nummer Sicher gehen müssen. Viele Situationen werden vermieden, um kein Risiko einzugehen. Starke Empfindlichkeit gegenüber (realer oder vermuteter) Kritik, Angst vor Ablehnung, Minderwertigkeitsgefühle. Zur Erfüllung eines gesteigerten Sicherheitsbedürfnisses werden zum Teil deutliche Einschränkungen im Alltag in Kauf genommen.

Asthenische (abhängige) Persönlichkeitsstörung:

Die abhängige (dependente, asthenische) Persönlichkeitsstörung bedeutet, dass Betroffene sich alleine unfähig fühlen und Hilfe von anderen Menschen benötigen. Um Zurückweisung von anderen zu verhindern, versuchen sie es ihnen immer recht zu machen. Dabei zeigen sie eine eigene ausgeprägte Willensschwäche. Sie zeigen eine starke Unterordnung eigener Bedürfnisse unter die anderer Personen, zu denen eine Abhängigkeit besteht, und unverhältnismäßige Nachgiebigkeit gegenüber den Wünschen anderer. Oft besteht ein unbehagliches Gefühl beim Alleinsein aus übertriebener Angst, nicht für sich allein sorgen zu können. Sie zeigen eine eingeschränkte Fähigkeit, Alltagsentscheidungen zu treffen ohne ein hohes Maß an Ratschlägen und Bestätigung zu bekommen.

Passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung

Diese Menschen sind negativistisch eingestellt. Gegenüber Anforderungen im Beruf oder von anderen Menschen zeigen sie einen passiven Widerstand. Oft fühlen sich die Betroffenen ungerecht behandelt. Oft zeigen sie Verzögerungstaktiken, indem zu erledigende Dinge lange aufgeschoben werden, dass Fristen nicht mehr eingehalten werden können und so nicht mehr erledigt werden können. Oft reagiert der Betroffene mürrisch, reizbar oder streitsüchtig, wenn von ihm Dinge verlangt werden, die er nicht machen möchte. Im Berufsleben arbeitet er scheinbar vorsätzlich langsam oder macht die Arbeit schlecht, die er nicht tun möchte. Es kommt vor, dass er die Erfüllung von Pflichten vermeidet, indem er behauptet, diese vergessen zu haben. Er behindert die Bemühungen anderer, indem er seinen Arbeitsbeitrag nicht leistet. Auf Autoritätspersonen reagiert er mit übermäßiger Kritik oder Verachtung. Auf Ratschläge anderer um seine Produktivität zu steigern reagiert er mit Übellaunigkeit.

Kombinierte Persönlichkeitsstörung

Die Merkmale mehrerer Persönlichkeitsstörungen können bei einem Menschen auch zusammen auftreten, beispielsweise narzisstische und emotional instabile Verhaltensweisen. Diese Kategorie ist aber auc vorgesehen für Persönlichkeitsstörungen und Anomalien, die häufig zu Beeinträchtigungen führen, aber nicht die spezifischen Symptombilder der vorgegebenen Störungen aufweisen. 

Nicht näher bezeichnete Persönlichkeitsstörung

Diese Kategorie wird benutzt, wenn zwar eine Persönlichkeitsstörung angenommen wird, der Betroffene auch anteilige Symptome aufweist, diese aber in einem geringen Maß, so dass eine konkrete Diagnose in den vorgenommen Kategorien nicht möglich ist. Häufig wird diese Kategorie auch als Verlegenheitsdiagnose genommen.

Literatur:

Beck/Freeman; Kognitive Therapie der Persönlichkeitsstörungen, 1998, Beltz Psychologie Verlag, Weinheim

WHO; Internationale Klassifikation psychischer Störungen, 2000, Hans Huber Verlag, Göttingen