Das Judentum

Die Geschichte der jüdischen Religion ist zunächst die Geschichte einer Familie und eines Volkes – der Familie Abrahams, aus der das Volk der Hebräer erwächst. Einer der späteren hebräischen Stämme war der Stamm Juda, von dessen Name sich die Bezeichnung der Juden herleitet. Sie selbst nannten sich auf Hebräisch Ivrim – die „Hinübergehenden“. Der Begriff bezeichnet aber auch diejenigen, die etwas hinüberbringen oder übermitteln. Was die Juden der Menschheit übermittelt haben, ist in erster Linie der Glaube an den einen Gott. Sie sind das erste Volk der Menschheitsgeschichte, die dauerhaft an nur einen einzigen – einen unsichtbaren und dennoch allmächtigen Schöpfergott – glauben, einen Gott, von dem es – im Unterschied zu den vielen Göttern anderer Religionen – kein Abbild, keine Statuen gab. 

Zur Zeit der Entstehung war dies eine unglaubliche und wahrhaft revolutionäre Idee. Das Judentum hat die religiöse, kulturelle und politische Weltgeschichte so stark beeinflusst wie kaum eine andere Idee Und so ist die Geschichte der Juden eine einzigartige Erfolgsgeschichte – und zugleich eine der tragischsten in der Geschichte der Menschheit, eine Geschichte des Exils und der Heimatlosigkeit, der Verfolgung und Vertreibung, sowie des Völkermordes. Was die Juden zusammenhielt, war ihre Religion und eine gemeinsame Sprache, eine Schrift und eine Kultur, die diese Zivilisation prägten. Im Laufe der über 5000 jährigen Geschichte veränderten sich jedoch die Vorstellungen von Gott und die Wege zu ihm. Im Judentum sind vielfältige Meinungen möglich, und bis heute wird eine lebendige Diskussionstradition gepflegt. Die Grundlage aller Diskussionen über Gott und über sein Verhältnis zur Welt ist die Kenntnis der Schriften. Wissen und Bildung haben einen entsprechend hohen Stellenwert, und das Studium der Bibel gilt als religiöse Pflicht.

Im 18. Jahrhundert, dem Zeitalter der Aufklärung, veränderte sich die jüdische Welt. Die Öffnung zur jeweiligen Umgebungsgesellschaft förderte die Integration und Emanzipation der Juden. Damit erweiterte sich das Spektrum jüdischen Lebens zu einer Vielzahl möglicher Identitäten. Juden leben heute auf der ganzen Welt, und vile von ihnen vollziehen den Balanceakt zwischen den Anforderungen des modernen Lebens und denen der jahrhundertealten Gesetze der Religion. Dort, wo einst die Hebräer lebten, liegen heute Staat Israel und die palästinensischen Autonomiegebiete. Vom Rest der Welt wird der Nahe Osten wielfach vor allem als Quell ständiger kriegerischer Auseinandersetzungen wahrgenommen. Politik und Religion scheinen gerade hier untrennbar miteinander verknüpft, und allzuoft werden von allen Seiten religiöse Vorstellungen als Legimitation politischer Ziele als Alibi vorgeschoben.

Ursprung und Geschichte 

Das Volk der Erzväter Abraham, Isaak und Jakob ließ sich im Lande Israel nieder. Nach den Berichten der Bibel zwang dort eine Hungersnot Jakob und seine Söhne zur Auswanderung nach Ägypten. Von dort führte Moses 400 Jahre später die Israeliten auf einem 40 Jahre währenden Zug durch die Wüste in das Land, das Gott ihnen versprochen hatte. Dort ließen sich die zwölf Stämme Israels, die aus Abrahams Familie hervorgegangen waren, nieder. Um die nachfolgenden legendären jüdischen Könige Saul, David und Salomo ranken sich zahlreiche Legenden. Jerusalem wurde ihre Hauptstadt, und hier baute Salomo den berühmten Tempel zu Ehren ihres Gottes Jahwe. Im 6. Jahrhundert v.d.Z. (vor der Zeitenwende) eroberten die Babylonier das Land Israel, zerstörten den Tempel und verschleppten die Bevölkerung. Der babylonische Talmud, einer der bedeutenden Grundlagentexte des religiösen jüdischen Glaubens, wurde im Exil geschrieben. 

Die endgültige Vertreibung aus ihrem Land erlebten die Juden im Jahre 70 durch die Römer. Seit dieser Zeit lebten die Juden verstreut unter den Völkern der Welt. Unter muslimischer Herrschaft (seit dem 7. Jahrhundert) wurden die Juden trotz religiöser Differenzen über Jahrhunderte toleriert und konnten in relativ guter Nachbarschaft mit ihrer muslimischen Umwelt leben. Das Christentum verfolgte die Juden als Mörder Jesus´von Nazareth, den Christen als Gottes Sohn anerkennen.

Verfolgungen und Vertreibungen bestimmen seit dem Mittelalter immer wieder jüdische Lebensläufe und gipfelten in der Schoa, der Verfolgung und Ermordung des europäischen Judentums durch das Regime der Nationalsozialisten. Seit der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 hat das jüdische Volk nach beinahe 2000 Jahren erstmals wieder einen nationalen Rahmen und ein Staatsgebiet. Antijüdische Haltungen, antisemitische Aussagen und Vertreibung existieren bis heute.

Vom Ende des Königreichs Israel und das babylonische Exil

Die Stämme im nördlichen Israel verstrickten sich seit dem 8. Jahrhundert v.d.Z. in einen grausamen Bürgerkrieg. In der Folge wurde das Land von den Assyrern erobert. Die hebräische und kanaanäische Bevölkerung wurde 722 v.d.Z., bis auf eine kleine Gruppe, die nach Juda floh, deportiert und in assyrien angesiedelt. In der Hauptstadt Samaria wurden arabische Stämme aus Nord-Syrien, Bauern aus Babylon sowie aus anderen von den Assyrern eroberten Gebieten angesiedelt. So gestaltete sich ein groß angelegter politischer und ethnischer Neubeginn, in dessen Verlauf die Nordstämme und die Kanaanäer des Königreichs Israel in der Bevölkerung Assurs aufgingen und keine weiteren historischen Spuren hinterließen.

Die Vorherrschaft der Pharaonen in Syrien-Palästina wurde von dem babylonischen König Nebukadnezar II. (605-562 v.d.Z.) beendet. Babylon wuchs zum neuen Weltreich im Vorderen Orient heran und setzte seine Machtansprüche in der Region durch – trotz des Aufstandes, der sich 589 v.d.Z. in Juda gegen die babylonische Herrschaft erhob. Die Babylonier eroberten zwei Jahre später Jerusalem. Die Bevölkerung, wie bereits erwähnt, wurde verschleppt und die Stadt geplündert und in Brand gesteckt.

Im babylonischen Exil der Jahre 587-538 v.d.Z. lebte die jüdische Bevölkerung größtenteils in geschlossenen Siedlunggebieten, in denen sie gleichwohl ihre Traditionen und ihre religiöse Überzeugung weiterführen konnten. Aus den bedingungen des Exils entwickelten sich Strukturen des Judentums, die durch die folgenden Jahrhunderte hindurch von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Weil die Juden ihre Identität zu bewahren suchten, legten sie religiöse Verhaltensregeln fest, wie den Schabbat (wöchentlicher Ruhetag), die Beschneidung der männlichen Neugeborenen und zahlreiche Speise- und Reinheitsvorschriften. Sie gaben sich selbst Gesetze, die ihnen als Halt in der Fremde dienten. Grundlegend für das Leben der Juden im Exil blieb der Glaube an die Ausschließlichkeit des einen Gottes und des göttlichen Gesetzes, die Stärkung nach innen durch den Gottesdienst und das Leben in dr Gemeinschaft. An Stelle des zerstörten Tempels errichteten sie nun Synagogen als Versammlungsorte. Gottesdienste, Gebete und Belehrung wurden dort gemeinsam vollzogen, und die Priester übernahmen auch die Funktion von Lehrern (Rabbinern). Historische Erzählungen, die auch schriftlich fixiert wurden, förderten die Ausbildung des Bewusstseins der Zugehörigkeit.

Ein halbes Jahrhundert später durften die Juden in ihre Heimat zurückkehren und so machten sich im Jahre 538 oder 537 v.d.Z. die ersten Gruppen auf den Weg nach Jerusalem. Wahrscheinlich blieben zunächst etwa 90 Prozent der Juden in Babylonien, denn was sie in Judäa und Kanaan erwartete, schien vielen doch sehr unsicher zu sein. Es dauerte noch etwa 20 weitere Jahre, bis sich die Verhältnisse in der alten Heimat so weit stabilisiert hatten, dass ein neuer Tempel gebaut werden konnte.

Religiöse Gruppen im alten Judentum

Im Judentum gab es zu keiner Zeit nur eine Antwort auf die Frage nach dem rechten Weg, die Vielfalt ist geradezu ein Kennzeichen dieser Religion. Aus Reformbestrebungen mit verschiedenen Zielrichtungen entstanden immer wieder religiöse Bewegungen mit umstrittenen und teilweise gegensätzlichen Meinungen. Über die Ansicht des Priesters Esras zum Beispiel – die Juden dürften sich nicht mit anders gläubigen Nachbarvölkern vermischen – wurde im 4. Jahrhundert v.d.Z. aus dem babylonischen Exil zurückgekehrt war. Statt des Opferkults im Tempel rückt unter seiner Führung das Lesen der Schriften in den Mittelpunkt des religiösen Lebens.

Die Sadduzäer

Die Bewegung der Sadduzäer entstand im 2. Jahrhundert v.d.Z. mit dem Ziel, ihre Interpretation der Tora zum allgemeinen Gesetz zu erheben. Die Sadduzäer waren pro-römisch eingestellt und stammten meist aus höheren Gesellschaftsschichten. Aus ihren Reihen kamen mehrere Hohepriester des Tempels, und sie hielten die Mehrheit im Sahedrin, im Hohen Rat. Die Römer ließen der jüdischen Selbstverwaltung große Handlungsfreiheit, und der von jüdischen Laien und Priestern gebildete Hohe Rat beherrschte weitgehend die Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. 

Die Essener

In den Felsenhöhlen in der Nähe von Qumran, süd-westlich des Toten Meeres, wurden 1947 Schriftrollen gefunden, die teilweise aus dem 1. Jahrhundert v.d.Z. stammen, Sie sind in vier Sprachen verfasst – Hebräisch, Aramäisch, Griechisch und Nabatäisch – und enthalten biblische Texte, Kommentare und Gemeindeordnungen, die von einem „neuen Bund mit Gott“ sprechen. Wahrscheinlich wurden sie von den Essenern geschrieben, einer jüdischen Gemeinschaft mit ordensähnlicher Verfassung, die 150 v.d.Z. bis ins Jahr 70 bestand. Die Essener waren ein asketischer Männerbund, der den Idealen der Frömmigkeit, Armut und Reinheit folgte. Sie hielten den Tempel- und Oferdienst in Jerusalem für entartet und regelten ihr Leben in Gütergemeinschaft durch strenge Disziplin, tägliche Waschungen, Gebet, Schriftauslegung, Mahlzeiten kultischen Charakters und Arbeit. Sie hatten sich von allen weltlichen und politischen Dingen abgewandt.

Die Pharisäer

In Opposition zu den Sadduzäern befanden sich die Pharisäer (Die Abgesonderten) – eine religiöse, politisch aktive Bewegung im Judentum des 2. Jahrhunderts v.d.Z., deren Zentrum das Studium der Tora bildete, die durch sie eine lebensnahe Auslegung erfuhr. Als Schriftgelehrte genossen sie zur Zeit Jesu hohes Ansehen; als Laienbewegung standen sie im Gegensatz zur Tempelaristokratie der Sadduzäer.

Die Zeloten

Die Zeloten (die Eiferer) – verschiedene, überwiegend radikale antirömische Gruppen – verstanden sich im 1. Jahrhundert als die Wahrer des Gottesrechts, gingen hart gegen Vertreter anderer jüdischer Strömungen (vor allem Sadduzäer und Pharisäer) vor und fühlten sich angsichts der erwarteten endzeitlichen Gottesherrschaft zum Kampf um die Herrschaft über das Land verpflichtet. Im Aufstand gegen die Römer (66-70) leisteten sie am längsten Widerstand auf der Bergfestung Masada. Dort hatten sie sich wochenlang verschanzt und verübten in der letzten Nacht, bevor die Römer die Festung eroberten, kollektive Selbsttötung.

Die Zerstreuung des Judentums in der Welt (Diaspora)

Die Juden lebten die längste Zeit ihrer Geschichte zerstreut, damit ist keineswegs eine kürzere oder längere Periode des Exils gemeint, sondern ein dauerhaftes Leben in anderen Ländern und unter anderen Völkern. Diese Erfahrung des Lebens in der Diaspora wurde so charakteristisch für die Juden, dass sie in die religiöse Vorstellung integriert wurde. Die Juden mussten im Laufe ihrer Geschichte mehrfach ihre Heimat verlassen und ins Exil gehen, Assyrer, Babylonier und Römer besetzten das Land und vertrieben die Bevölkerung. Die zehn hebräischen Stämme, die im 8. Jahrhundert v.d.Z. nach Assur gebracht wurden, verschwanden aus dem Blickfeld der Geschichte. Das babylonische Exil der Jahre 587-538 v.d.Z. entwickelte sich für die Juden zur Diaspora, sie sahen ihre Zukunft in Babylonien und blieben dort. 

Seit den griechischen Eroberungen des östlichen Mittelmeerraums und Ägyptens im 3. Jahrhundert v.d.Z. lebten Juden in nahezu allen von Griechen gegründeten Städten. Nach ihrer Vertreibung durch durch die Römer im Jahre 70 n.d.Z. begann schließlich für das gesamte jüdische Volk das Leben in der Diaspora, diese erstreckte sich in den kommenden Jahrhunderten über weite Teile des Nahen und Mittleren Osten, die nordafrikanische Länder sowie nahezu den gesamten europäischen Kontinent.

Die Juden in Mitteleuropa und Deutschland (Aschkenas)

Der in der Bibel genannte Enkel Noahs, Aschkenas, gilt als Urahn der deutschen Juden. Die Juden kamen im Gefolge der Römer über die Alpen und ließen sich zunächst in den römischen Tadtründungen im Rheinland nieder. Im Jahre 321 werden erstmals Juden in der Stadt Köln erwähnt. Die ältesten aschkenasischen Gemeinden bestanden in Speyer, Mainz und Worms; die Stadt wurde unter Juden berühmt, weil hier Rabbi Schlomo ben Isaak (1040-1105) studierte.

Der gelehrte (Raschi genannt) verfasste einen bedeutenden Kommentar zur Tora, der heute in der gesamten jüdischen Welt bekannt ist. Nach römischem Recht waren Juden bis zum 6. Jahrhundert gleichgestellt mit den anderen Bürgern. Sie bildeten einen Teil der städtischen Bevölkerung und lebten als Kaufleute vor allem vom Fernhandel. Sie handelten mit Luxuswaren wie Gewürze, Seidenstoffe oder Edelsteinen.

Profit, Mord und Vertreibung

Juden wurden geduldet und gebraucht, als Kaufleute, Geldleiher oder Ärzte, aber willkommen waren sie in Europa nicht. Bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts standen sie als sogenannte Kammerknechte zwar unter dem rechtlichen Schutz der Kaiser im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, doch hinter diesem Schutz verbarg sich eine profitable Quelle für die Landesregenten. Der Kaiser verlieh die Schutzrechte mit den dazugehörigen Einkünften (das sogenannte Judenregal, eine Art Schutzgeld) an die jeweiligen Landesfürsten. Das dieser Schutz im Zweifelsfall nicht allzu viel bedeutete, wurde schon bei dem ersten Kreuzzug im Jahre 1096 deutlich, als die Christen Europas zur Befreiung der heiligen Stadt Jerusalem aus den Händen der Ungläubigen aufgerufen wurden. Tausende Kreuzritter und fanatisierte Teile der städtischen Bevölkerung überfielen daraufhin die in ihren Augen Ungläubigen im eigenen Land, die Juden.

Lediglich der Bischof von Speyer bewahrte „seine“ jüdische Gemeinde vor dem Untergang. Etwa ein Viertel der aschkenasischen Bevölkerung (ca. 5000 Juden) wurde ermordet. Ähnliche Massaker wiederholten sich bei allen folgenden Kreuzzügen. Die von Generationen erlittene Erfahrung des Ausgeliefertseins sowie des materiellen Verlusts und der sozialen Ausgrenzung wirkte sich nachhaltig auf die geistige Verfassung des aschkenasischen Judentums. So war die Trauer um ermordete Angehörige so stark, dass sie in den aschkenasischen Gottesdienst integriert wurde.

Am Rande der Gesellschaft

Im 13. und 14. Jahrhundert verschlechterte sich die rechtliche und ökonomische Situation der Juden in Europa erheblich. Sie wurden gezwungen, an der Kleidung den sogenannten „gelben Fleck“ als Kennzeichnung zu tragen. Die christlichen Zünfte schlossen Juden von allen Handwerksberufen aus. Im 14. Jahrhundert kursierte im Zusammenhang mit der in Europa grassierenden Pest die Anschuldigung, die Juden hätten die Brunnen vergiftet und dadurch die Krankheit verschuldet. In Venedig wurde 1516 das erste Getto errichtet, das Vorbild für die Judenviertel in ganz Europa wurde. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts wurden aus allen deutschen Städten vertrieben. Nur einige wenige kleine Gruppen fanden Aufnahme in den Vorstädten und auf dem Lande, wo sie bis ins 19. Jahrhundert häufig am Rande des Existenzminimums lebten. Viele Menschen flohen nach Osten, wo sich ein neuer Schwerpunkt des aschkenasischen Judentums in Polen, der Ukraine und in Russland bildete.

Der Antijudaismus und Antisemitismus 

Die Christen sahen die Juden mit Argwohn und großem Misstrauen. Der Hauptvorwurf der Christen bestand darin, nicht die Römer, sondern die Juden hätten Jesus von Nazareth umgebracht. Die Juden sollten in der christlichen Umgebung zwar geduldet werden, aber nur als Beweis für die Wahrheit des Christentums. So waren die Juden von Anfang an keine beliebten Nachbarn der Christen und vielfach religiös motivierten Anschuldigungen ausgesetzt. Seit dem 13. Jahrhundert verbreiteten sich Greuelmärchen, Juden würden die christliche Abendmahls-Hostie stehlen, sie zerschneiden und auf diese Weise Jesus gleichsam zum zweiten Mal foltern.

Sie wurden gezwungen, gelbe Ringe auf ihrer Kleidung zu tragen (vergleichbar dem gelben Stern, den die Nationalsozialisten im 20. Jahrhundert anordneten) und ihren Kopf mit unverwechselbaren spitzen Hüten zu bedecken. Juden wurden auf allen Ebenen zu willkommenen Sündenböcken der christlichen Gesellschaft, und das christliche Mittelalter in Europa zur Wiege des Antijudaismus, der bis in die Gegenwart reicht.

Antisemitismus

Antisemiten, die im 19. Jahrhundert ihre durch Übertragung von Erkenntnissen aus der Biologie, rassistisch begründeten Theorien der Judenfeindschaft entwickelten, bedienten sich der bereits seit Jahrhunderten kursierenden antijüdischen Stereotype. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde diese Rassentheorie zur Staatsideologie erhoben. Die Nürnberger Gesetze definierten seit 1936, wer zu den Ariern zu rechnen sei und wer nicht. 

Diese Gesetze bildeten die Grundlage für die weitgehende Ausgrenzung und Entrechtung der Juden, zunächst im Deutschen Reich, später in allen europäischen Ländern, die im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen erobert wurden. Als die nationalsozialistische Politik nach 1942 nicht mehr auf die Vertreibung, sondern auf die Ermordung der Juden zielte, begann die große Katastrophe in der jüdischen und in der deutschen Geschichte. In der Schoa wurden etwa sechs Millionen Juden in ganz Europa getötet.

Arabischer Antisemitismus

Das erste bekannte antisemitische Ereignis in der arabischen Welt war die sogenannte Affäre von Damaskus im Jahre 1840. Die christliche Minderheit in Damaskus hatte die Anschuldigung gegen die dortige jüdische Gemeinde verbreitet, einen Ritualmord an einen katholischen Pater verübt zu haben. Die Wurzeln des aktuellen Antisemitismus in der arabischen Welt liegen zudem in dem Zusammenwirken deutscher Nationalsotialisten und die Muftis von Jerusalem in den 1930 er Jahren, einer Zeit, in der Hitler „Mein Kampf“ in Bagdad in arabischer Übersetzung erschien. 

Obwohl die meisten Juden inzwischen aus der arabischen Welt auswanderten, haben sich dort seither antisemitische Bilder, Parolen und Theorien unkritisch verbreitet und als antiisraelische Propaganda noch verschärft, so in der Presse und in Schultexten, in populären Liedern und Fernsehfilmen und nicht weniger in offiziellen Stellungnahmen.

Die Kabbala

Seit dem Mittelalter wurde mit dem Begriff Kabbala (hebr. Überlieferung, die man empfängt) eine Strömung innerhalb der Mystik im Judentum benannt, die mit überlieferten, ältesten und geheimen Schriften versucht, das Wirken Gottes un der Welt verständlich und erfahrbar zu machen. Kabbalisten orientierten sich stets an der Tradition, denn die Schriften und Gebote sind Grundlage ihres Glaubens. Andererseits gaben, und geben, sie der Tradition eine völlig neue Bedeutung.

Die kabbalistischen Lehren beziehen dabei die Kosmologie, die Anthropologie und die Ethik mit in ihre Deutungsstrukturen ein. Gott ist nach kabbalistischem Verständnis nicht unerreichbar und unbegreifbar, der Kabbalist sucht vielmehr Wege, mit ihm in einen Dialog zu treten. Einer der berühmtesten Kabbalisten war Isaak Luria (1534-1572). Er entwickelte seine kabbalistische Welt- und Schöpfungsvorstellung in Safed in Galiläa. Er wuchs in Kairo auf, hatte den Sohar studiert und 7 Jahre als Asket auf einer Nilinsel gelebt. 1569 ließ er sich in Safed nieder. Nach seiner Theorie soll sich der Mensch darum bemühen, den bei der Schöpfung zerstörten Zusammenhang zwischen göttlicher und irdischer Welt wiederherzustellen.

Sefer Jezira

Eines der grundlegenden Werke der Kabbala ist das Sefer Jezira, das Buch der Schöpfung. Es ist das älteste der kabbalistischen Werke, und manchmal wird es bis auf Abrahams Zeiten zurückgeführt. Wer es geschrieben hat, ist nicht bekannt. Das Sefer Jezira wird im Talmud, aber auch im Sohar erwähnt. Es gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Abschnitt geht es um die sogenannten zehn Sefirot. Sie bezeichnen Wege zu der Weisheit, mit der Gott die Welt geschaffen hat. 

Ein zweiter Teil beschäftigt sich mit der Schöpfung durch die 22 hebräischen Buchstaben, die jeweils einen bestimmten Zahlenwert haben. Die Buchstaben werden in drei Gruppen geordnet, sodass je eine Gruppe aus drei, sieben und zwölf Buchstaben besteht. Die Zahlen 3, 7 und 12 werden in allen Lebensbereichen als grundlegende Gliederungsprinzipien und zugleich als Schöpfungsplan der Welt erkannt, angefangen bei den drei Elementen Feuer, Wasser, Luft. Das Ziel des Buches ist es, in der Vielfalt der Welt die Einheit Gottes zu erkennen und aus der Betrachtung der Welt die Größe Gottes zu begreifen.

Der Sohar

Die bedeutendste kabbalistische Schrift, der Sohar, wurde am Ende des 13. Jahrhunderts in Spanien von dem Rabbiner Moses de Leon (1250-1305) herausgegeben. Moses de Leon ging davon aus, dass die Auslegung der heiligen Schrift in vierfacher Weise möglich sei und damit der Weg zum Pardes, das Paradies als Garten der Schrift, geebnet werde. Ob er selbst der Autor des Textes war oder ob dieser, wie behauptet wurde, aus dem 1. Jahrhundert stammt, ist bis heute ungeklärt. Der Hauptteil des Sohars besteht aus einem Kommentar zur Tora.

Die vier Formen der Erkenntnis, die darin beschrieben werden, sind: 1. der Text, das Wort selbst; 2. die symbolische, übertragene Bedeutung; 3. die Interpretation, Bedeutung für das Leben; 4. die Mystik, die Gotteserfahrung. Moses de Leon ordnete diese vier Erkenntnisstufen vier hebräischen Worten zu, deren zusammengesetzte Anfangsbuchstaben die Folge PRDS ergeben. Davon wird das Wort Pardes abgeleitet. Pardes steht in der jüdischen Tradition als Metapher für das mystische Erlebnis (die Erfahrung der Gegenwart Gottes) schlechthin. Diese Tradition wird von Moses de Leon aufgegriffen und neu gedeutet.

Glaube und Weltbild

Die jüdische Welt beruht auf der Tora, auf dem Gottesdienst, das heißt Gebet und Rituale, und auf der Wohltätigkeit sowie dem Leben in der Gemeinde. Das religiöse Judentum geht davon aus, dass Moses niedergeschrieben hat, was Gott ihm auf dem Berg Sinai sagte. Die Tora (die fünf Bücher Mose) enthält daher für einen gläubigen Juden Gottes Wort. 

Zur Tora, die Teil der hebräischen Bibel ist, gehört eine Sammlung von Kommentaren und erläuternden Schriften. Darunter kann der Talmud als ein Hauptwerk des Judentums angesehen werden, in dem die Grundsätze für ein Leben nach dem Willen Gottes formuliert sind. Er besteht aus zwei Teilen, Mischna und Gemara, und ist in zwei Versionen überliefert, der Jerusalemer Talmud und der Babylonische Talmud. Die beiden Werke stammen wahrscheinlich aus dem 4. bzw. 7. Jahrhundert. Das Judentum ist eine Aufforderung zur Handlung, zum Tun, zum Wohltun. Wohltätigkeit hat eine sehr große Bedeutung, zumal mit Spenden und Gaben nach jüdischem Verständnis auch Gerechtigkeit geschaffen werden kann und soll.

Die Bedeutung des jüdischen Schrifttums

Die Tora (hebr.: Lehre, Weisung) besteht aus den fünf Büchern Mose; dazu kommen 34 weitere Bücher, die jedoch nicht denselben Status wie die Tora haben, da sie nicht als Gottes Wort angesehen werden. Sie wurden von Menschen verfasst, die von Gott inspiriert waren. Die insgesamt 39 Bücher der hebräischen Bibel werden in drei Teile gegliedert: Die Tora, die Propheten (Nebiim) und die Schriften (Ketubim). Im frühen Judentum glaubte man, Moses habe die fünf Bücher, König Salomo das Hohelied und König David die Psalmen selbst niedergeschrieben.

Neuere Forschungen haben jedoch gezeigt, dass zumindest die fünf Bücher der Tora recht unterschiedliche Traditionen vereinbaren und zu verschiedenen Zeiten entstanden; wahrscheinlich stammen die texte von verschiedenen Verfassern und wurden im 7. Jahrhundert v.d.Z. in der Form zusammengefügt, wie wir sie heute kennen. Die meisten der Bücher wurden auf Hebräisch geschrieben. Die älteste bis heute erhaltene vollständige hebräische Bibelhandschrift stammt aus dem Jahre 1008 und wurde in Kairo angefertigt.

Die Propheten (Nebiim)

Die 21 Bücher der Propheten werden in vordere und hintere Propheten untergliedert, was der Chronologie der historischen Erzählung entspricht. Die vorderen Propheten erzählen die frühe Geschichte des jüdischen Volkes und umfassen sechs Bücher: die Bücher Josua, Richter, 1. und 2. Buch Samuel und 1. und 2. Buch der Könige. Die erzählen die Geschichte, beginnend mit Josua,  der nach Moses´Tod das Volk ins Gelobte Land führte, sowie im Weiteren die Geschichte der beiden Königreiche Juda und Israel bis hin zum babylonischen Exil. Die sogenannten hinteren oder späten Propheten, Jesaja, Jeremia, Ezechiel, Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk, Zefanja, Haggai, Sacharja und Maleachi, schildern Verheißungen und Weissagungen, Mahnungen und Urteile. An Feiertagen und am  Schabbat wird zum Abschluss des Gottesdienstes aus den Prophetenbüchern gelesen.

Die Schriften (Ketubim)

Die 13 Schriften umfassen Dichtungen sowie die Prophezeiung im Buch Daniel, das Hohelied Salomos, das Buch Ruth, die Klagelieder Jeremias, der Prediger Salomo, das Buch Esther und die vier Geschichtsbücher der 1. und 2. Chronok sowie der Bücher Esra und Nehemia. Das Buch Daniel ist aufgrund seiner späten Entstehungszeit nicht mehr in die Reihe der Propheten mit aufgenommen worden, sondern erscheint hier in diesem dritten und letzten Teil der schriftlichen Überlieferung. Die Psalmen und Klagelieder bilden den ältesten Teil der Ketubim. Diese Sammlung von Gebeten, Psalmen, Sprüchen und Predigten entstand zwischen dem 5. und 2. Jahrhundert v.d.Z.

Die mündliche Tora

Hinzu kommen Schriften, die zunächst mündlich überliefert wurden und deshalb die mündliche Tora genannt werden. Auch sie hat Moses (der Überlieferung nach) direkt von Gott empfangen und wurden, zunächst über Josua, die Propheten und Esra und im Folgenden von Generation zu Generation, mündlich weitergegeben und erstmals im 2. Jahrhundert v.d.Z. von Rabbi Jehudaha-Nassi schriftlich in der Mischna festgehalten. 

Der Talmud

Der Talmud entstand in einem mündlichen und schriftlichen Überlieferungsprozess und ist das Ergebnis jahrhundertelanger rabbinischer Sammel- und Lehrtätigkeit. Seine Seiten enthalten jeweils in der Mitte einen Abschnitt der Mischna und darunter entsprechende Texte aus der Gemara. Rechts und Links sind Kommentare und Interpretationen von Raschi und anderen Rabbinern angeordnet. Es gibt zwei Versionen des Talmud, die nach ihrem jeweiligen Entstehungsort benannt sind. Jerusalemer Talmud (aus dem 4. Jahrhundert, er ist nur unvollständig überliefert) und Babylonischer Talmud (aus dem 7 Jahrhundert, seine endgültige Fassung enthält Texte aus verschiedenen Jahrhunderten und von mehreren Autoren).

Die Gebote der Bibel werden hier ausführlich diskutiert und auf die Vielfalt einzelner Lebenssituationen hin interpretiert. Jeder Akt des Menschen soll das Gebot Gottes erfüllen. Vom Händewaschen bis zur Feldarbeit, vom Bebären bis zum Sterben werden Anweisungen und Hilfestellungen zur Lebensbewältigung gegeben. Verschiedene Traditionen, Meinungen und Umstände kommen in den rabbinischen Streitgesprächen zum Ausdruck. In diesem Sinne ist der Talmud eine Art Diskussionsprotokoll der Rabbiner. Einer begann mit der These, andere Stimmen kommen hinzu und ergänzen (oder widersprechen) vorherigen Auslegungen in einem scheinbar endlosen Diskurs. Dabei führt die Debatte häufig nicht zu einer endgültigen Interpretation, sondern bringt den Austausch von Pro- und Contra-Argumenten zu Tage, wodurch der Leser sich eine eigene Meinung bilden kann.

Die Gebote und Gesetze im Judentum

Die Juden drücken ihre Anerkennung von Gottes Souveränität und Einzigartigkeit aus, indem sie vor allem Gottes Wort anerkennen. Damit unterwerfen sie sich seinem Gesetz und seinen Geboten. Das Einhalten der Ge- und Verbote ist daher eine Pflicht gegenüber Gott, und nur ein Leben nach den Weisungen der Tora entspricht dem Willen Gottes. Für den gläubigen Juden wird daher der gesamte Alltag von religiösen Regeln bestimmt. Die Tora nennt insgesamt 613 Ge- und Verbote, 365 Verbote und 248 Gebote. Viele der Gebote, zum Beispiel die Speisegestze oder die Regeln der Beschneidung, dienten zu Beginn der Diaspora dazu, die Juden von ihrer Umgebung zu unterscheiden. Sie sollten helfen, die Gemeinschaft der Juden im Glauben an den einen Gott zu erhalten. 

Die Ge- und Verbote im Judentum lassen sich einerseits auf konkrete historische Ereignisse und Situationen sowie auf überlieferte Erzählungen zurückzuführen, andererseits definieren sie grundlegende Regeln des menschlichen Zusammenlebens. Der streng Gläubige wird den Geboten folgen, weil sie Ausdruck von Gottes Willen sind. Gott nachzueifern und seine Gebote zu erfüllen, wird den Gläubigen zu einem besseren Menschen machen. In diesem Sinn sind die Mitzwot eine Anleitung zum Handeln, wobei das Vollbringen der Tat das Entscheidende ist. Damit erhalten auch alltägliche Handlungen einen tieferen Sinn und bieten einen Anlass, über die Beziehung zwischen Gott und Mensch nachzudenken.

Bart und Haare

Das Verbot des Haareschneidens für Männer etwa geht auf das Gesetz über die Heiligung und die Gottgeweihten zurück. „Menschen, die ein Gelübde, also ein Versprechen vor Gott ablegen“ (Lev. 19:27 und Num. 6:5). Dies wurde auf alle gläubigen Juden übertragen. Die Mischna erläutert, dass Geweihte sich nicht scheren. Im Mittelalter entwickelte sich daraus bei ultraorthodoxen männlichen Juden bis heute übliche Haartracht, die Schläfenlocken wachsen zu lassen. Gesetzestreue Frauen zeigen ihre Haare nicht in der Öffentlichkeit. Sie tragen entweder ein Haarnetz oder haben die Haare bei der Hochzeit abrasiert und benutzen eine Perücke. Nach jüdischer Sitte, so wie sie in der Mischna definiert wird, geht eine Frau nicht mit entblößtem Haupt aus dem Haus.

Speisegesetze

Essen ist im Judentum, ebenso wie in anderen Religionen, keine banale, alltägliche Angelegenheit, sondern folgt vielfach religiösen Regeln. Nahrung ist nicht selbstverständlich, sondern von Gott gegeben, und vorgeschrieben. Im Rahmen der göttlichen Ordnung gibt es Nahrungsmittel, die für Menschen geeignet (rein) und solche, die ungeeignet (unrein) sind. Die jüdischen Speisegesetze werden Kaschrut genannt (daher das deutsche Wort „koscher“). Durch die Einhaltung der Kaschrut erhält die Nahrung eine religiöse Bedeutung, und das Leben wird geheiligt. Das schließt auch die Aufforderung an den Menschen ein, nicht gedankenlos, wahllos und gierig zu essen, sondern mit Bedacht Speisen auszuwählen und zuzubereiten.

Milchig und fleischig

Zu den Speisegesetzen, die Teil des koscheren Lebens sind, gehört die Trennung von Milch und Fleisch. Milch- und Fleischprodukte werden nicht miteinander vermischt, und zwischen dem Verzehr von Milch und Fleisch muss ein zeitlicher Abstand liegen (der von gesetzestreuen Juden genau bestimmt und eingehalten wird). Auch alle Haushaltsgeräte, die mit milchigen oder fleischigen Produkten in Kontakt kommen, werden voneinander getrennt. Diese strikte Trennung geht zurück auf das Gebot: „Du sollst ein Böckchen nicht in der Milch seiner Mutter kochen“, das in der Tora dreimal erwähnt wird (Ex. 23:19 und 34:26 sowie Dtn. 14:21). Die Trennung kann bei nicht ganz so strenger Befolgung der Regeln auch dadurch erfolgen, dass vor dem Genuss von Fleisch der Mund ausgespült oder ein Stück Brot gegessen wird. Wichtig ist die Trennung zwischen Milch und Fleisch, wie die Trennung durchgeführt wird, kann variieren.

Tiere

Nicht alle Tiere sind koscher, das heißt rein und damit für den Verzeht nach jüdischem Gesetz geeignet. Die Tora nennt eine Liste (Lev. 11:1-47 und Dtn. 14:5-21), nach der Landtiere mit gespaltenen Hufen, die wiederkäuen, koscher sind (also Rinder, Schafe, Ziegen), Schweine hingegen nicht (sie sind zwar Paarhufer, aber keine Wiederkäuer); ebenso sind Pferde, Kamele und Hasen taref. Unter den Tieren des Wassers sind nur diejenigen zum Verzehr geeignet, die Schuppen und Flossen haben; Schalen- und Krustentiere (Muscheln, Krabben und Krebse) zählen nicht dazu, ebenso werden Wale und Delfine wegen ihrer glatten, schuppenlose Haut nicht gegessen. Dagegen sind Lachs, Hering, Forelle oder Karpfen koscher. Raubvögel und Aasgeier werden nicht gegessen, da ihr Beuteverhalten (wie die Jagd an sich) als grausam gilt. Als Haustiere gehaltenes Geflügel wie Puten, Hühner, Enten und Gänse sind zum Verzehr vorgesehen.

Beim koscheren Schlachten, dem Schächten, werden HJalsschlagader und Luftröhre des Tieres mit einem scharfen, glatten Messer in einem schnitt durchtrennt. Das Tier ist sofort tot, und der Schnitt durch die Halsschlagader bewirkt, dass das Blut (dessen Verzehr im Judentum nicht erlaubt ist) sehr schnell ausströmt. Aus Respekt vor dem Leben darf kein Tier gequält werden. Im Judentum darf nur ein ausgebildeter Schächter auf diese Weise ein Tier töten. Er garantiert, dass die Tiere nach den religiösen Regeln geschlachtet werden.

 Gelebter jüdischer Glaube heute

Das jüdische Leben spielt sich heute, sei es in Israel oder anderswo, vor allem in der Familie ab. Historisch hat sich diese starke Ausprägung des Familienlebens nicht zuletzt durch das Leben von Generationen in der Diaspora entwickelt, hier stellte der Familienzusammenhalt einen Schutzraum gegen eine vorwiegend nicht freundlich gesonnene Mehrheitsgesellschaft dar. Doch zugleich wurde die jüdische Kultur, die aus den religiösen Traditionen und vor allem in den letzten zwei Jahrhunderten auch aus den säkularen Tendenzen entstanden ist, seit jeher durch eine ausgeprägte Bereitschaft zur Integration und Anpassung, aber auch zur Veränderung bestimmt. Höhepunkt des individuellen Lebens wie Beschneidung, Hochzeit oder Beerdigung finden im Rahmen der Familie ebenso statt wie die religiösen Feste des Jahres, allen voran das Pessachfest. Und obwohl heute die Mehrheit der Juden nicht mehr streng gesetzestreu lebt, werden viele Sitten und Gebräuche eingehalten.

Wie sehr sich das jüdische Leben verändert hat, wird nicht zuletzt in der israelischen Gesellschaft sichtbar. Sie ist heute durch eine multikulturelle und multiethnische Bevölkerung geprägt. Heute existieren jüdische Gemeinden in allen Kontinenten der Erde.

Kindheit, Jugend, Leben und Sterben

Beschneidung  

Im Judentum werden männliche Neugeborene acht Tage nach der Geburt beschnitten. Zwar ist nach dem Gesetz von Geburt an Jude, wer eine jüdische Mutter hat, im Akt der Beschneidung wird Gottes Bund mit dem jüdischen Volk jedoch symbolisch immer wieder erneuert. Das Ritual, das Juden und Muslime praktizieren, geht auf Abraham zurück. Nachdem er seinen Gehorsam gegenüber Gott durch die Bereitschaft, den kleinen Isaak zu opfern, bewiesen hatte, schloß Gott einen Bund mit Abraham und seinen Nachkommen, der durch die Beschneidung besiegelt wurde. 

Die Zeremonie wird durch den Mohel (ausgebildeter Beschneider) durchgeführt. Traditionell sind dabei nur Männer anwesend, und die Mutter wartet draußen. In liberalen Familien nehmen Frauen wie Männer an dem feierlichen Akt teil. Der Eingriff selbst, bei dem die Vorhaut des Jungen entfernt wird, erfolgt schnell, und die meisten Kinder sind am Ende der Zeremonie schon wieder eingeschlafen.

Bar/Bat Mitzwa

Mit dem vollendeten 13. Lebensjahr feiern jüdische Jungen die Bar Mitzwa, in den liberalen Gemeinden feiern auch die Mädchen (Bat Mitwa). Damit wird, der Bedeutung des hebräischen Wortes entsprechend, der Sohn oder die Tochter in die Pflicht genommen. Ab jetzt sind nicht mehr die Eltern, sondern sie selbst für ihr religiöses Leben verantwortlich. Zuvor haben die Kinder durch entsprechenden Religionsunterricht und die Teilnahme am Gottesdienst grundlegendes Wissen über das Judentum erworben, kennen einige Gebete und können aus der Tora lesen. Die religiöse Zeremonie der Bar/Bat Mitzwa wird häufig mit einem Familienfest verbunden. Bar/Bat Mitzwa-Feiern können sehr unterschiedlich aussehen. Grundlegende Voraussetzung für die religiöse Mündigkeit ist allerdings unverändert und überall gleich. Die Kinder lesen bei ihrer Bar/Bat Mitzwa den jeweiligen Wochenabschnitt aus der Tora und manchmal auch die Segenssprüche. 

In den vergangenen Jahrhunderten bedeutete die Vorbereitung der jüdischen Jungen auf die Bar Mitzwa in der Diaspora vielfach auch einen erheblichen Bildungsvorsprung vor den (meist christlichen) Jungen der Umgebung, die größtenteils Analphabeten waren, denn junge Juden konnten dadurch lesen.

Hochzeit

Zentrale Aspekte einer jüdischen Hochzeit sind der Akt der Eheschließung unter sogenannten Chuppa (Trauhimmel), unter der die Brautleute und der Rabbiner stehen, und das Aufsetzen der Ketuba (Ehevertrag). Die Chuppa, ein quadratischer Baldachin, symbolisiert das zukünftige Haus und die Ehegemeinschaft. Der Rabbiner steht mit ihnen unter diesem Dach und verliest die Ketuba, in ihr sind Pflichten des Mannes gegenüber seiner Frau, ihre Versorgung im Falle einer Scheidung oder seines Todes geregelt. Inhalt und Formen einer Ketuba entsprechen häufig einer standardisierten Fassung. Einzelheiten jedoch werden individuell hinzugefügt. 

Bei der Hochzeit steckt der Bräutigam seiner Braut einen Hochzeitsring an den rechten Zeigefinger. Zur Besiegelung der Heirat trinken die Brautleute traditionell eine Schluck Wein aus einem gemeinsamen Glas. Dieses Glas wird anschließend vom Bräutigam auf dem Boden zertreten, begleitet von Glückwünschen der umstehenden Gäste in dem freudigen Ausruf: Mazal tov (viel Glück)!

Tod und Beerdigung

Juden gehen traditionell davon aus, dass es ein Leben nach dem Tode gibt. Wie das Jenseits jedoch aussehen wird, bleibt im Judentum offen. Da von einer leiblichen Auferstehung ausgegangen wird, sind Leichenverbrennung und Urnenbeisetzung nach streng religiösem verständnis nicht möglich. Der Leichnam wird rituell gewaschen und getrocknet, in ein weißes Leichengewand gehüllt. In Israel werden die Toten ohne, in der Diaspora in einem einfachen sarg begraben. Zum Begräbnis wird eine kurze und einfache Zeremonie gewählt. Das Begräbnis soll schnell, möglichst am Tage nach dem Tod stattfinden. Im Judentum wird die Erdbestattung bevorzugt, denn es heißt in der Tora: “ Im Schweiße deines Angsichts sollst du Brot essen, bis du zur Erde zurückkehrst, von der du genommen worden, denn Staub bist du, und zu Staub sollst du wieder werden.“

Die Trauernden zerreißen als Zeichen ihres Schmerzes die Kleidung. Die Art des Risses, mitdem ein Kleidungsstück versehen wird, folgt bestimmten Regeln, je nach dem Verwandtschaftsverhältnis zum Toten. Nach der Beerdigung folgen sieben Tage, die ganz von der Trauer bestimmt sind, die sogenannte Schiwa. Während dieser Zeit bleiben die Trauernden zu Hause, sollen keine festen Schuhe tragen und auf niedrigen Schemeln sitzen. Dieser intensiven Trauer folgt der allmähliche Übergang zum Alltag.

Jüdische Feiertage

Pessach

Pessach, das fröhliche Fest im religiösen jüdischen Jahr, dauert eine Woche, es beginnt am Abend des 14. Nissan mit dem traditionellen Seder und dauert bis zum 22. Nissan (alljährlich im März oder April). An Pessach feiern Juden den Auszug aus Ägypten. Die wiederkehrende Erinnerung an dieses Ereignis bildet einen Grundstein der Religion. Ohne diese Rettung vor der in Ägypten drohenden vernichtung gäbe es kein Judentum. Im Mittelpunkt des Vorabends von Pessach steht die Pessach-Haggada, die Erzählung von Auszug aus Ägypten. Beim schnellen Aufbruch aus Ägypten war keine Zeit, den üblichen Brotteig gehen zu lassen, daher wurde stattdessen Matzebrot gebacken, aus Mehl und Wasser, das verknetet wird, zu flachen Scheiben ausgerollt und in wenigen Minuten gebacken wurde, und bis heute wird. 

Auf dem sogenannten Sederteller befinden sich sieben symbolische Speisen: drei Matze, „Erdfrüchte“ wie z.B. Radieschen, ein Gefäß mit Salzwasser, „Bitterkraut“, das kann Meerrettich sein, ein Stück Mus aus geriebenen Äpfeln und Mandeln, ein Knochen mit etwas Fleisch daran und ein gekochtes Ei. Die Erdfrüchte, das Salzwasser und das Bitterkraut versinnbildlichen die Tränen und Leiden in der Gefangenschaft. Der Fleischknochen steht für das Opferlamm, und das Ei erinnert an die Zerstörung des Tempels.

Schawot

Das sogenannte Wochenfest wird sieben Wochen nach Pessach gefeiert, genau 50 Tage nach Pessach. So lange benötigte das Volk Israel nach der Flucht aus Ägypten bis zum Berg Sinai. Schawut erinnert an den Tag, an dem die Gebote auf dem Berg Sinai verkündet wurden. Darüber hinaus hat es weitere Bedeutungen, als Tag der Erstlingsfrüchte (Weizen, Gerste, Weintrauben, Feigen, Granatäpfel, Oliven und Datteln) und als Erntefest. Die Früchte und zwei aus der neuen Ernte gebackene Weizenbrote wurden ursprünglich im Tempel geopfert. Bis heut wird an Schawuot der Freude über die Ernte und den ertrag des Landes Ausdruck gegeben.

Purim

Purim ist ein ebenfalls fröhliches und ausgelassenes Fest (am 14. Adar, also im Feb./März, etwa zur Zeit des christlichen Karnevals), bei dem die Kinder sich verkleiden, traditionell als Prinzessinnen oder Könige, heute aber auch vielfach bunt und schrill. Die biblische Geschichte, auf die dieses Fest zurückgeht, steht in der Esther-Rolle (Esther 9:17ff.) und erzählt von der unglaublichen Rettung des jüdischen Volkes in Persien. Auch an Purim wird vielfach die biblische Geschichte nacherzählt und dabei jedesmal, wenn der Name Haman fällt, in lautes Lärmen ausgebrochen. Die zuhörer bringen damit spielerisch ihre Verachtung gegenüber dem Bösewicht zum Ausbruch.

Rosch Haschana

Das jüdische Neujahrsfest läutet am 1. Tischri die dunkle Jahreszeit und eine Periode des ernsten Nachdenkens über das Leben ein, denn es ist auch der Tag des Gerichts. Nach jüdischer Vorstellung richtet Gott über die guten und schlechten Taten der Menschen. Viele gläubige Juden tragen an diesen Tagen weiße Kleidung als Zeichen der Reinheit und Befreiung von Schuld. Orthodoxe Männer machen die Bereitschaft zur Buße mit einem sinnfälligen Brauch deutlich. Sie gehen am Nachmittag zu einem Gewässer und schütteln die Taschen aus. Das Wegwerfen der Krümel entspricht der Abkehr von Sünden.

Zu Rosch Haschana und Jom Kippur wird in der Synagoge das Schafor, ein ausgehöhltes Widderhorn, beblasen. Das Widderhorn erinnert an Abraham Opferbereitschaft, statt seines Sohnes brachte er auf Gottes Befehl hin einen Widder dar. Das Blasen des Schofars symbolisiert alljährlich Abrahams Gehorsam gegenüber Gott.

Jom Kippur

Zwischen Neujahr und dem Versöhnungsfest erstrecken sich die sogenannten zehn fruchtbaren Tage. Der Mensch soll seine begangenen schlechten Taten bedauern und sich seiner negativen Eigenschaften und Schwächen bewusst werden. Damit wird die Umkehr eingeleitet und der Weg zu Gott beschritten. Am Ende dieser Periode steht Jom Kippur, der höchste jüdische Feiertag. Das Fest, zu dem auch viele säkulare Juden den Gottesdienst in der Synagoge besuchen, ist auch ein Fastentag. Man isst und trinkt nicht, wäscht sich nicht und benutzt keine Kosmetik, man trägt keine Lederschuhe und hat keinen Geschlechtsverkehr. Diese fünf Enthaltungen sollen das Böse zurückdrängen und dem göttlichen Licht zum Sieg verhelfen. In der Synagoge wird das Sündenbekenntnis gesprochen und ein besonderes Gebet für diesen Tag, das Kol Nidre. 

Darin werden alle uneingelösten Versprechen gegenüber Gott für ungültig erklärt. Auf diese Weise wird das Verhältnis zwischen Gott und Mensch bereinigt. Das betrifft allerdings nicht die schlechten Taten gegenüber den Mitmenschen, ihre Verzeihung sucht der Gläubige in diesen Tagen auf andere passende Art und Weise zu bewirken.

Sukkot

Sukkot (hebr.: Hütten), das dritte und letzte Fest des Monats Tischri, beschließt den Festzyklus, der mit Rosch Haschana begann, und ist der krönende Abschluss nach den fruchtbaren Tagen. Martin Luther prägte dafür die deutsche Bezeichnung „Laubenhüttenfest“. Unter freiem Himmel werden für sieben Tage kleine Hütten aus Zweigen gebaut, in denen gegessen und vielfach geschlafen wird. Die Hütten werden traditionell so gebaut, dass das Dach zwar Schatten spendet, aber auch Regen durchlässt. Damit wird die Machtlosigkeit des Menschen gegenüber der Natur und das Angewiesensein auf Gottes Hilfe symbolisiert. Das Provisorium der Hütte führt dem Gläubigen die Unzulänglichkeit des Lebens und die Freude über Gottes Schutz vor Augen.

Glaubensrichtungen im Judentum

Wie in anderen Religionen auch, gibt es nicht das eine Judentum, sondern ein ganzes Spektrum verschiedener Glaubensrichtungen, die ausgehend von einer gemeinsamen Basis, nämlich der Anerkennung der grundsätzlichen Lehren Gottes, so wie sie in der Tora überliefert wurden, mittlerweile erhebliche Unterschiede in der Lebenspraxis entwickelt haben. Auch wenn die Gesetze von allen anerkannt werden, herrschen unterschiedliche und zum Teil gegensätzliche Meinungen darüber, wie weit und in welcher Form sie erfüllt werden sollen. 

Die Vielfalt innerhalb des jüdischen Glaubensspektrums ist dabei keine moderne Erscheinung. Religiöse Gruppierungen diskutierten bereits in der Antike über die Auslieferung der Schriften und Gesetze. Beispielhaft zeigt sich das im Talmud und in der Mischna, wo die voneinander abweichenden Meinungen der einzelnen Rabbiner einander gegenübergestellt wurden. Die Diskussionsfreudigkeit der Rabbiner aus allen Jahrhunderten ist geradezu sprichwörtlich geworden, so viele Rabbiner – so viele Meinungen.

Orthodoxie und Ultraorthodoxie

Die Bezeichnung „orthodox“ stammt ursprünglich aus dem Christentum. Für orthodoxe Juden hat die wörtliche Auslegung der Tora und des Talmud sowie die strenge Einhaltung der Gesetze oberste Priorität, daher werden sie genauer als „gesetzestreue“ Juden bezeichnet. Innerhalb der Orthodoxie gibt es ultraorthodoxe Gruppen, deren männliche Vertreter man an ihrer schwarzen Kleidung und Hut sowie Bart und Schläfenlocken erkennt. 

Sie stellen die kleinste Gruppierung innerhalb des jüdischen Spektrums dar, auch wenn sie in jüngster Zeit einigen Zulauf verzeichnen. Ein Teil der ultraorthodoxen Bevölkerung Israels, dort nennt man sie „Haredim“ (Gottesfürchtigen), erkennt den israelischen Staat nicht an. Sie befolgen streng  die jüdischen Religionsgesetze, isolieren sich jedoch stark vom gesellschaftlichen Leben.

Konservatives Judentum

Die konservative jüdische Bewegung begann im 19. Jahrhundert in Deutschland mit dem Ziel, einerseits die Tradition des Judentums zu bewahren und sich andererseits der Moderne anzupassen. So hat sich die Gleichberechtigung der Geschlechter bei den Konservativen ebenso wie im Reformjudentum durchgesetzt.

Nach Ansicht konservativer Juden sollen die Religionsgesetze eingehalten, aber laufend aktualisiert werden. So haben die täglichen Gebete und koschere Speisen einen hohen Stellenwert. Aus dem konservativen Judentum heraus entwickelte sich im 20. Jahrhundert die hauptsächlich unter Juden in den USA verbreitete Glaubensrichtung des Rekonstruktionismus. Ihr Begründer, der amerikanische Rabbiner Mordechai Kaplan (1881-1983), ging vom Judentum als einer sich beständig weiterentwickelnden Zivilisation aus. Jede Generation trägt Neues dazu bei auf der Grundlage der überlieferten Tradition.

Reformjudentum

Ebenfalls im Deutschland des 19. Jahrhundert entstand das Reformjudentum. In der Nachfolge des großen Philosophen und Aufklärers Moses Mendelsohn (1729-1786) forderten reformorientierte Rabbiner eine stärkere Anpassung des religiösen Lebens an die Umgebungsgesellschaft. Nun wurde nicht mehr auf Hebräisch, sondern in der jeweiligen Landessprache gebetet und gepredigt. Orgelmusik und Chorgesang hielten, nach dem Vorbild der protestantischen Liturgie, Einzug in den Gottessdienst, und die strikte Befolgung der Religionsgesetze wurde durch eine offenere religiös-ethische Lebensführung abgelöst. Reformjuden gilt seither der Schabbat zwar als Ruhetag, wie er aber gestaltet wird, bleibt dem individuellen Lebensstil überlassen. Auch die Speisegesetze werden von ihnen nicht so streng gehandhabt. Frauen und Männer sind gleichberechtigt, und Frauen können auch alle religiösen Funktionen übernehmen, zum Beispiel Rabbinerin werden.

Literatur:

Brenner, Michael; „Kleine jüdische Geschichte“, München 2008

Brodersen, Ingke; „Judentum“, Fischer Verlag, 2011

Grimme, Karin H.; „Judentum“, Parragon Books Ltd.