Gottvertrauen

Wenn du mit edlem, ernstem Streben getrachtet nach der Weisheit Licht, nicht fandest, was du suchst im Leben, gewiss, das ist das schlimmste nicht! Wenn mutig du bei kühnem Wagen, gesund an Geist und Körper bist, gebrechlich wirst in alten Tagen, für dich das schlimmste Leid nicht ist.

Drückt auch Armut dich hernieder, zum Himmel wendet sich dein Blick, die Sonne kehret täglich wieder, verkündet dir ein höh´res Glück. Nur bei dem tiefsten, größten Schmerze, da gibt es weder Trost noch Rat, das ist, wenn ein verirrtes Herze sein Gottvertrau´n verloren hat.

Die Menschen lassen uns alleine, wenn du im Unglück trostlos bist; nur er verlässt dich nicht, der Eine, dein Gott, wenn alles dich verlässt. O, halte fest dein Gottvertrauen, dein Hoffnungsstern in dunkler Nacht; er lässt dich mutig vorwärts schauen, glaubst du, dass Gottes Auge wacht.

Gott bricht dir nimmer seine Treue, baust du auf seine Hülfe fest. Und immer hilft er dir aufs Neue, wenn du von ihm dich führen lässt. Drum sei getreu dein ganzes Leben, sei fest im Glauben auch in Not; mit ganzem Herzen ihm ergeben, ist schön das Leben, sanft der Tod.

(Marie Kägi-Häusermanm. „Der Stern“ (heute Liahona), 01. Februar 1914)