Gedichte, Verse und Gedanken

Allein

Es führen über die Erde

Straßen und Wege viel,

aber alle haben dasselbe Ziel.

 

Du kannst reiten und fahren

zu zwein und zu drein,

den letzten Schritt musst du

Gehen allein.

 

Drum ist kein Wissen

Noch Können so gut,

als dass man alles Schwere

Alleine tut.

(Hermann Hesse)


Wir leben hin …

Wir leben hin in Form und Schein

Und ahnen nur in Leidestagen

Das ewig wandellose Sein,

Von dem uns dunkle Träume sagen.

 

Wir freuen uns an Trug und Schaum,

Wir gleichen führerlosen Blinden,

Wir suchen bang in Zeit und Raum,

Was nur im Ewigen zu finden.

 

Erlösung hoffen wir und Heil

In wesenlosen Traumesgaben –

Da wir doch Götter sind und teil

Am Urbeginn der Schöpfung haben.

(Hermann Hesse)


Wenn Du Dir Sorgen machst und anfängst,

Schreckensbilder auszumalen, musst Du den

Punkt kennen, wann Du damit aufhören musst.


Ermutige Deine Mitmenschen, anstatt sie

zu entmutigen.


Über die Liebe

Wir brauchten wenig,

wir Liebe hätten.

 

Nicht die Liebe,

die wir mit Ringen und

roten Rosen

auszudrücken meinen.

 

Nein,

Liebe, die sich

überträgt,

ohne Worte. wie ein Lächlen im Wind

(Kristiane Allert-Wybranietz)


Marionettentanz

Wenn ich euch so betrachte,

wie ihr hinter Besitz und Ruhm herrennt,

nach Ansehen und Aussehen strebt,

wie ihr euch verstreckt, eure Gedanken und

Wünsche tarnt in farblosem Gerede über dies und das,

wie ihr eure ehrliche Meinung und eure Fehler

in glänzendes Geschenkpapier verpackt

wehe – einer reißt die Verpackung auf!

wie ihr nicht aussprechen könnt

und nicht wissen wollt, was in euch ist,

 

dann meine ich manchmal,

ich sehe einem Marionettentanz zu,

bin glücklich, Zuschauer zu sein

und frage mich,

wer lässt die Marionetten tanzen?

(Kristiane Allert-Wybranietz)


Gegengewicht

Das Gedicht wird richtiger

Die Welt wird falscher

 

Ich streiche das Unnötige

Das Nötige wird deutlich

 

Die Welt streicht das Nötige

Das Unnötige wird verschwommen

 

Die Welt macht mir Angst

Sie ist schwächer als ein Gedicht

(Erich Fried)


Was es ist

Es ist Unsinn

sagt die Vernunft

Es ist was es ist

sagt die Liebe

 

Es ist Unglück

sagt die Berechnung

Es ist nicht als Schmerz

sagt die Angst

Es ist aussichtslos

sagt die Einsicht

Es ist was es ist

sagt die Liebe

 

Es ist lächerlich

sagt der Stolz

Es ist leichtsinnig

sagt die Vorsicht

Es ist unmöglich

sagt die Erfahrung

Es ist was es ist

sagt die Liebe

(Erich Fried)


Harte Menschen

Wie ist euer Blick so hart,

Will alles versteinern,

Ist nicht der kleinste Traum darin,

Ist alles kalte Gegenwart.

 

Mag denn in eurem Sinn

Gar keine Sonne scheinen?

Und müsset ihr nicht weinen,

Dass ihr nie Kinder wart?

(Hermann Hesse)


Er ging im Dunkel

Er ging im Dunkel gern, wo schwarze Bäume

Gehäufte Schatten kühlten seine Träume.

 

Und Dennoch litt in seiner Brust gefangen

Nach Licht; nach Licht! Ein brennendes Verlangen.

 

Er wußte nicht, dass über ihm die klaren

Himmel voll reiner Silbersterne waren.

(Hermann Hesse)


Status Quo

Wer will dass die Welt

so bleibt wie sie ist

der will nicht, dass sie bleibt.

(Erich Fried)


Erlösung und Errettung

Der Erlösungsbegriff sagt aus, dass die Menschen von diesem sterblichen Zustand zum unsterblichen wiederhergestellt werden. Mit anderen Worten, er bedeutet, dass die Menschen auferstehen werden.

Diese Auferstehung bezieht alle Geschöpfe ein, nicht nur den Menschen, sondern auch die Fische und die Vögel der Luft, dazu die Tiere des Feldes. Alle diese Wesen waren bereits geistig erschaffen, bevor sie auf die Erde gebracht wurden, daher müssen sie auch alle erlöst werden.

Dies wird als freie Gabe Christi gewährt, und es wird von uns nichts dafür gefordert. Wir können diese Erlösung nicht einmal verhindern. Wir haben gar keinen Einfluss darauf, es bleibt uns nichts anderes übrig, als sie anzunehmen, denn wir sind für den Tod nicht verantwortlich.

(Josef Fielding Smith, Lehren der Erlösung, Band II, 1976)


Genieße die Freude, die dir zuteil ward,

und trage das Leid, das die zuteil ward,

warte ruhig ab, was die Zeit bringt,

wie der Landmann es mit der Frucht tut.

(Orientalisches Sprichwort)


Depression

Die Depression ist eine schwarze Dame.

Wenn sie an deine Tür klopft, bitte sie an deinen Tisch und frage sie,

was sie dir zu sagen hat.

(C.G.Jung, 1928)