Die Transaktions-Analyse

Die Transaktionsanalyse (TA) ist eine psychologische Theorie der menschlichen Persönlichkeitsstruktur und wurde in der Mitte des 20. Jahrhunderts vom amerikanischen Psychiater Eric Berne begründet. Die Transaktionsanalyse will anschauliche psychologische Konzepte zur Verfügung zu stellen, mit denen Menschen ihre erlebte Wirklichkeit reflektieren, analysieren und verändern können. Eric Berne verfolgte in seiner Kommunikationstheorie einen transanalytischen Ansatz, in dem er davon ausgeht, dass die Persönlichkeit eines Menschen aus drei Bewusstseinszuständen (Ich-Zuständen) besteht.

1. Das Eltern-Ich (internalisierte Wertvorstellungen der Eltern)

2. Das Erwachsen-Ich (objektive Erfassung der Realität und darauf abgestimmtes Handeln)

3. Das Kindheits-Ich (spontane und kreative Verhaltensweisen)

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(Quelle: Deller/Brake: „Soziale Arbeit“, Verlag Barbara Budrich, Opladen 2014)

Eric Bernes Kommunikationstheorie korrespondiert mit Freuds Instanzmodell (Über-Ich = Eltern-Ich / Ich = Erwachsenen-Ich / Es = Kindheits-Ich). Dabei unterscheidet Eric Berne im Eltern-Ich zum einen die „kritische Eltern-Ich Funktion“, als die begrenzende und moralische Funktion, und zum anderen die „fürsorgliche Seite“ als unterstützende Haltung des Eltern-Ichs. Das Kindheits-Ich kann spontan (natürlich, unbefangen), angepasst (gehorsam und folgsam) oder rebellisch (trotzig, aufbegehrend) auftreten. Das Erwachsenen-Ich ist digital und wird gespeist vom gelernten (Erziehung) und dem gefühlten Lebenskonzept (Affekte, Emotionen, Triebe).

Entwicklungspsychologisch durchläuft der Mensch sechs typische Phasen, um alle seine Ich-Haltungen, in der Transaktionsanalyse Ich-Zustände genannt, zu entwickeln. Beim störungsfreien Durchlaufendieser Phasen entsteht eine gesunde Persönlichkeitsstruktur. In jeder Entwicklungsphase nehmen bestimmte Bedürfnisse eine zentrale Stellung ein. In jeder Entwicklungsphase müssen dem Kind aber auch spezifische Bedürfnisse befriedigt werden. Und es muss die jeweiligen phasentypischen Aufgaben gelernt haben. Wenn dies erfolgreich geschieht, wird psychische Energie freigesetzt, um nachfolgende Phasen, auch kritische Phasen genannt, mit ihren Anforderungen zu bewältigen.

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(Quelle: Stauss, Konrad: „Neue Konzepte zum Borderline-Syndrom – Stationäre Behandlung nach den Methoden der Transaktionsanalyse; Das Grönenbacher Modell“, Junfermann Verlag, Paderborn 1994)

Die Transaktionsanalyse bietet Modelle zum Beobachten, Beschreiben, Verstehen und Behandeln der menschlichen Persönlichkeit und der sozialen Beziehungen zwischen Individuen und sozialen Systemen an. Zudem beinhaltet sie Konzepte zur Persönlichkeits- und Beziehungsanalyse, zur Gruppendynamik und Gruppenanalyse sowie zur Analyse und Steuerung von sozialen Systemen. Als „Transaktion“ bezeichnet die Theorie den bewussten und/oder unbewussten kommunikativen und interaktionellen Austausch zwischen einer Person und ihrer Umwelt. Die differenzierte Betrachtung einzelner Transaktionen und deren möglichen Zielrichtungen und Anliegen ermöglicht es dem/der Betrachter (selbst und in Bezug auf andere), diese zu verstehen und gezielt und sinnvoll darauf Einfluss zu nehmen. Wenn Menschen mit Hilfe der Grundannahmen der Transaktionsanalyse auf soziale Interaktionen oder einzelne Persönlichkeiten schauen, so gehen sie von folgenden Annahmen aus:

  • Jeder Mensch hat die Fähigkeit, zu denken und Probleme zu lösen.
  • Der Mensch ist in seiner Ganzheit in Ordnung.
  • Der Mensch ist in der Lage, die Verantwortung für sein Leben und dessen Gestaltung zu übernehmen. Er verfügt dazu über die Fähifkeit der bewussten Wahrnehmung und Steuerung seiner mentalen, emotionalen und sensorischen Vorgänge und der sich daraus ergebenden Handlungen bzw. sozialen Interaktionen.
  • Jeder Mensch wird als fähig angesehen, sein Lebenskonzept (oder Lebensgestaltungsmuster) schöpferisch, zuträglich und konstruktiv zu gestalten.

Zudem ist es jedem Menschen möglich, durch Nutzen seiner ihm innewohnenden Ressourcen autonome Entscheidungen für sich und andere zu treffen. Dazu benutzt er seine Fähigkeit zur Bewusstmachung der momentanen Gegebenheiten, seine Fähigkeiten, aus einer Bandbreite verschiedener energetischer Zustände auszuwählen und die Fähigkeit zu echtem emotionalen Kontakt mit anderen Menschen. Für die Transaktionsanalytiker hat Autonomie im Sinne von Selbstbestimmung, Spontaneität und Bezogenheitsfähigkeit auf die Welt höchsten Stellenwert.

Komplementäre Transaktionen

Sprechen zwei Kommunikationspartner aus der gleichen Ich-Ebene heraus, handlt es sich um eine komplementäre Transaktion. Eine komplementäre Transaktionen ist ebenfalls gegeben, wenn eine Person aus dem Eltern-Ich heraus das Kind-Ich des anderen anspricht und dieser aus dem Kind-Ich heraus dem Eltern-Ich antwortet.

Scannen0130(Quelle: Harris A. Thomas: „Ich bin o.k. Du bist o.k.“, Rowohlt Verlag, Hamurg 1975)

Gekreuzte Transaktion

Überkreuzte Transaktionen sind zu beobachten, wenn ein Gesprächspartner eine andere Ich-Position anspricht, der andere aber aus einer anderen Ebene heraus darauf reagiert. In solchen Fällen ist erkennbar, dass die Kommunikation nicht fließt, sondern unterbrochen wird, da die angesprochene Person nicht wie beabsichtigt reagiert, sondern auf eine andere Ebene wechselt. Die Folge ist dann meist eine Kommunikationsstörung bzw. eine Auseinandersetzung.

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(Quelle: Harris A. Thomas: „Ich bin o.k. Du bist o.k.“, Rowohlt Verlag, Hamurg 1975)

Verdeckte Transaktion

Häufig findet man in Gesprächen sogenannte „verdeckte Transaktionen“ vor, an denen mehrere Ich-Zustände beteiligt sind. Zwei davon sind „offen“, die anderen wirken verdeckt. Um solche verdeckten Transaktionen erkennen zu können, ist es entscheidend, immer auf die Körperspräche, Gestik, Mimik, Tonfall und ähnliches zu achten, denn dort zeigen sich die verdeckten Ich-Ebenen. Für diese verdeckten Transaktionen spielen vor allem Vorerfahrungen der Gesprächspartner miteinander eine Rolle. Wer mit Menschen interagiert, die eine starke Tendenz haben, andere ständig erziehen zu wollen, wird diese Äußerung empfindlicher deuten, als ein Aussenstehender. Solche schwelenden Konflikte gilt es zu erkennen und aufzulösen, denn in der Regel ist mindestens eine Person mit der Situation unzufrieden.

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(Quelle: Harris A. Thomas: „Ich bin o.k. Du bist o.k.“, Rowohlt Verlag, Hamurg 1975)

Wenn der angesprochne Gesprächspartner aus dem Erwachsenen-Ich zu dem Schluss, kommt, dass es für die Beziehung wichtig ist, die versteckte Andeutung des Gesprächspartners zu berücksichtigen, dann wird auf diese Interaktion auf Erwachsenen-Ebene reagiert. Wenn jedoch im angesprochen Gesprächspartner das Kindheits-Ich angesprochen wird, welches sich nicht in Ordnung fühlt, dann wird primär auf die versteckte Interaktion aus dem Kindheit-Ich reagiert.So kommt es dann zu Konflikten, und eine echte Kommunikation ist nicht mehr möglich.

Wie schon beschrieben ist die Transaktions-Analyse eine Theorie der Persönlichkeit und der Sozialaktion und außerdem eine klinische Methode der Psychotherapie, die auf der Analyse von allen nur denkbaren Transaktionen zwischen zwei oder mehr Menschen auf der Grundlage ganz spezifischer und genau definierter Ich-Zustände beruht. Nur etwa fünfzehn von 6597 Möglichkeiten kommen allerdings in der Regel in der Prxis vor. Jede Methode, die nicht auf der exakten Analyse einzelner Transaktionen mitsamt den dabei beteiligten spezifischen Ich-Zuständen beruht, ist, streng genommen, keine Transaktions-Analyse. Diese Definition setzt sich das Ziel, ein Modell für alle nur denkbaren Formen von sozialen Verhaltensweisen des Menschen zu bilden.

Dieses Modell ist deswegen so effizient, weil es sich nach dem Grundsatz der wissenschaftlichen Ökonomie ausrichtet und nur von zwei Voraussetzungen ausgeht: 1. Die Menschen können von einem Ich-Zustand in einem anderen Ich-Zustand hinüberwechseln. 2. Wenn A etwas sagt und B kurz darauf ebenfalls etwas sagt, eine Reaktion auf das ist, was A gesagt hat, oder nicht. Das Modell ist außerdem deswegen sehr wirksam, weil sich bisher unter Tausenden, ja sogar unter Millionen von Interaktionen zwischen zwei oder mehrreren Menschen keine Beispiele finden ließen, die nicht nach dem oben vorgestellten Modell behandelt werden können. Am besten begreift man wohl den Standpunkt der Transaktions-Analyse, wenn man sich die Frage stellt: „Was würde ein ein-, zwei- bzw. dreijähriges Kind tun, das dem Verhalten dieses betreffenden Erwachsenen entspräche?“

Literatur:

Berne, Eric: „Was sagen Sie, nachdem Sie Guten Tag gesagt haben?“, Fischer Verlag, Frankfurt a.M. 1983

Harris, Thomas A.: „Ich bin o.k. – Du bist o.k.“, Rowohlt Verlag, Hamburg 1973

Deller/Brake: „Soziale Arbeit“, Verlag Barbara Budrich, Opladen 2014

Stauss, Konrad: „Neue Konzepte zum Borderline-Syndrom – Stationäre Behandlung nach den Methoden der Transaktionsanalyse; Das Grönenbacher Modell“, Junfermann Verlag, Paderborn 1994