Das Leben im Jenseits

Durch meine religiöse Erziehung bin ich darauf ausgerichtet, dass das Erdenleben nicht das Ende des menschlichen Daseins, sondern das es ein Jenseits gibt und das Erdenleben lediglich ein kleiner Bruchteil des Daseins im Leben des Menschen ist. Von Kindesbeines an bin ich so erzogen worden, nicht so zu leben wie die Mehrheit der Menschen, nämlich so zu tun, als wenn das Erdenleben die einzige kurze Lebenszeit wäre und deshalb auf Teufel komm raus zu leben. Laut Lehre der Kirche Jesu Christi gibt es drei Stufen der Herrlichkeit im Jenseits. Da werden die Terrestiale, die Telestiale und die Celestiale Herrlichkeit als Daseins- und Bewusstseingrade genannt.

Nach dem Tod meines Bruders Klaus 1995 habe ich mich verstärkt mit Literatur über das Dasein im Jenseits beschäftigt, und kam zu der erstaunlichen Erkenntnis, dass die Erkenntnisstufen in der Literatur die ich laß, den Daseinsformen der Lehre der Kirche sehr ähneln. Auch hat mich das Studium dieser zahlreichen Bücher in der Erkenntnis bestärkt, dass es ein Jenseits gibt. In den nachfolgenden Zeilen möchte ich dir lieber Leser die von mir gelesenen Erkenntnisse näher bringen. Ich hoffe das du mit diesen Gedanken etwas anfangen kannst und diese dich zu weiterem Nachdenken anregen werden.
Das Erdenleben ist ja nichts anderes als eine Vorstufe, eine Schule für das Jenseits. „Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang“, möchte man in abgewandelter Form eines Schillerzitates sagen. Der Wahn nämlich, dass es die Aufgabe sei, das kurze Erdenleben zu „genießen“, solange „das Lämpchen glüht“ und ehe „alles aus ist“. Und die Reue über ein falsch angewandtes Erdenleben nachher im Jenseits. Die Bibel hat ganz recht, wenn sie mahnt, man solle sich während des Erdenlebens „Schätze im Himmel sammeln, die Motten und der Rost nicht fressen“.
 
Im Jenseits finden sich alle Menschen wieder, die innere Beziehungen zueinander hatten. Das äußere Verhältnis spielt im Jenseits keine Rolle, da es ja nur eine zufällige, wieder aufgelöste und oberflächliche Verbindung war, die der irdische Tod beendete. Deshalb finden manche Menschen im Jenseits erst in Liebe höherer Art an einander Gefallen und das ist dann eine Verbindung/Gemeinschaft, die diesen Namen verdient. Nur das Edle, das in einem Menschen wohnt, ist im Jenseits von Bedeutung. Deshalb ist die dortige Liebe wahre Liebe, wie Gott sie hat. Wahre Liebe tut das Gott Gefällige aus innerem Antrieb. Das ist die dortige Gesinnung, und darum gibt es im Jenseits keine Gegensätze wie auf der Erde.
 
Was die Menschen auf der Erde Leben nennen, verdient diesen Namen nicht. Es ist nur die Vorbereitung auf das wahre Leben, das erst im Jenseits in Erscheinung tritt, nachdem das zu Ende gegangen ist, was die Menschen im Dieseits für Leben halten. Im Jenseits ist Harmonie und Friede. Das Leben ist im Einigsein mit Gott das, was es auch auf der Erde sein müsste, wenn es keine Sünde gäbe, nämlich Dienst der Liebe. Das „liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ ist das sich am meisten Aufdrängende für die Neuankömmlinge im Jenseits. Der Neuankommling sieht nur Liebe und hört nur freundliche Worte. Kein finsterer Blick, keine unfreundliche Antwort wird ihn jemals verletzen.
 
Im Jenseits entspricht das äußere Auftreten immer ganz dem inneren Befinden. Es gibt keinen falschen Schein wie auf der Erde, absolute Wahrheit regiert das Leben. Lügenhafte Vorspiegelung äußeren Glanzes, der der Herzensbeschaffenheit nicht entspricht, ist im Jenseits ein Ding der Unmöglichkeit. Früher im Diesseits dachten die menschen mehr an sich selbst, das ist im Jenseits nicht der Fall. Dort lebt einer für den anderen und Gottes Liebe ist in jedem Menschen des Jenseits. Schlechte Erbanlagen und Angewohnheiten aus dem Dieseits werden im Jenseits durch spezielle Übungen abtrainiert und verschwinden allmählich ganz, da sie keine Gelegenheit mehr haben sich auszuwirken. Menschen die auf der Erde gleichgültig  und egozentrisch waren, sitzen im jenseits teilnahmslos herum, bis sie von erleuchteten Geistern besucht werden und aufgeklärt werden, was bei hartnäckigen Menschen einige Zeit in Anspruch nehmen kann, allerdings ist im Jenseits das Dasein zeitlos.
 
Das Leben auf der Erde ist im Wesentlichen das Gegenteil des Lebens, das Gott für den Menschen bestimmt hat. Das ist nicht Gottes Schuld, sondern des Menschen, der sich innerlich von Gott gelöst hat. Im Jenseits ist die Harmonie mit Gott hergestellt, darum ist das Leben im Jenseits in Licht, Liebe und Freude. Wenn ein Mensch dem anderen begegnet, so sagt ihm sein Gefühl, was der andere denkt, d.h. was er ihm mitteilen möchte. Das ist keine Art Gedankenlesen. Die Gedanken sind auch im Jenseits wie im Dieseits als das, was einem jeden persönlich gehört. Im Jenseits gibt es keine Nahrungssorgen, keine hemmenden, dem Menschen das leben erschwerende, missliebigen Verhältnisse. Das durch böse Gedanken gehinderte und durch Lieblosigkeit erschwerte Kämpfen um eine erträgliche Existenz ist im Jenseits nicht mehr vorhanden.
 
Das Sterben ist ja kein realer Tod, sondern nur der Übergang aus dem Leben des Scheins in das Leben der Wirklichkeit. Die Glaubenslehren der Kirchen sind keine Wirklichkeit im Lichte der höheren Erkenntnis, wie man sie im Jenseits kennt. Sie enthalten nicht das, was Jesus Christus als Inhalt innersten Gotteserlebens seinen Jüngern mitteilte, sondern, was menschliche Unzulänglichkeit daraus gemacht hat. Gottes Welt hat zwei Seiten. Die eine ist die materielle, im Dieseits. Sie hat viele finstere, Gott nicht gefallene Züge. Diese sind dadurch gekommen, dass die Menschen Gott verlassen haben. Wie das Licht nur gewürdigt wird, wenn man auch die Finsternis kennt, so müssen die Menschen erst ihren Weg durch die materielle, finstere, leiderfüllt Welt gehen, damit sie die vollkommene, geistige Welt in Dankbarkeit wirklich würdigen können.
 
Der Zweck des Erdenlebens ist die Entwicklung der Seele durch Verbindung mit den physischen Verhältnissen. Das Erdenleben ist nur eine der Sphären der Geisteserfahrung. Gottes Wille ist es nicht, dass Tiere ihr Leben lassen müssen, um anderen zur Nahrung zu dienen. Es ist mit der irdischen Natur eine in gegenseitigem Vernichtungswillen sich auswirkende lieblose Einstellung leider verknüpft. Bei den Menschen ist es bewusste Lieblosigkeit, bei den Tieren instinktive Veranlagung. Es ist nicht möglich, dass im irdischen Leben Mensch und Tier in harmonischer Gemeinschaft beieinander sind, das kommt erst im Jenseits. Im irdischen Dasein mag der Mensch ruhig Fleisch verzehren. Der Genuss von Fleisch ist jedoch dem inneren Aufgeschlossensein für geistige Einwirkungen aus dem Jenseits nicht gerade förderlich. Vieles Fleischessen ist auch der Gesundheit abträglich, und mancher verkürzt sich dadurch sein Leben. Das ist aber nicht nach Gottes Willen, denn das irdische Leben soll nicht durch eigene Schuld verkürzt werden. Durch Enthaltsamkeit in dieser Hinsicht fördert der Mensch sein inneres Leben, da starker Fleischgenuss sich als sehr nachteilig für das Geistige auswirkt.
 
Jeder Mensch der mit absichtlichem, lebenslang gegen Gott eingestelltem Widerstand willensmäßig sich verhärtet hat, kommt nicht in das Paradies. Er braucht auch nicht geprüft zu werden, sondern befindet sich alsbald, seinem inneren Zustand entsprechend, in den finsteren Sphären. In das Paradies kommen alle, welche Gott sich nicht als seine entschlossenen Feinde widersetzt haben. Da nun aber ihr innerer Zustand ganz verschieden ist, müssen sie geprüft werden unter Ausnutzung der Kenntnis, welche ihre Schutzgeister von ihnen haben.
 
In eingehenden, alles berücksichtigenden Besprechungen kommen dann die Führer zu ihrem Urteil, das in jeder Hinsicht zutreffend ist, in dem jeder Lebensumstand berücksichtigt wird. Die Veranlagung im Hinblick auf leichte oder weniger leichte Möglichkeiten, sich gegen Gottes Gebote zu vergehen, die Erziehung im Elternhaus, die soziale Lage, die ganze Umwelt, in der das leben sich abspielte, insbesondere auch, wie die Zeitumstände waren, was der Betreffende zu erduldenden hatte und wie seine Umgebung ihn beeinflusst hat. Kurz, alles fällt in die Waagschale, nichts bleibt außer Betracht.
 
Die durchschnittlichen Menschen, und das sind die meisten, beginnen mit der untersten Stufe im Jenseits. Diese „Stufen“ bedeuten, dass jeder mit denen, die ihm innerlich ungefähr gleichartig sind, eine gewisse Unterweisung erhält, welche in dafür bestimmten Häusern laufend erteilt werden. Das Verbleiben auf einer Stufe richtet sich hauptsächlich nach dem Wachstum in der Liebe. Jedes Wesen im himmlischen geistigen Weltenraum ist in diese Liebe eingeschlossen. Die Führer der höheren Sphären überzeugen sich durch eigene Erforschung des Herzens in liebevoller Methode, wie es mit den zur Versetzung in die höhere Sphäre in Aussicht Genommenen steht. Das Höhere ist immer dem Niederen unsichtbar, aber es selbst sieht das Niedere, wenn ihm das notwendig erscheint. So sehen die Menschen im Jenseits nur das, was in ihrer Sphäre sich ihnen Sinnen zeigt. Die  höheren Sphären sind den Menschen im Jenseits vielleicht näher als sie ahnen.
 
Es gibt keinen Grad der Erkenntnis und der Liebe, den man als Abschluss bezeichnen könnte. Das ist der Inhalt des himmlischen Lebens, ein immerwährendes Wachstum. Das Wachstum ist ein göttliches Naturgesetz. 
    
Literatur:
 
Dr. med. Eben Alexander: „Blick in die Ewigkeit – Die faszinierende Nahtoderfahrung eines Neurochirurgen“, Ansata Verlag 2012
 
Nephi Anderson: „Die ihren ersten Stand bewahren“, LDS Books 1987
 
Bernhard Jakoby: „Wir sterben nie – Was wir heute über das jenseits wissekönnen“, Rowohlt Verlag 2007
 
Elisabeth Kübler-Ross: „Über den Tod und das Leben danach“, Silberschnur Verlag 1994
 
Gertraud Radke:  „Das Leben nach dem Tod“, Aquamarin Verlag 2007
 
PH. Landmann/Dr. R. Schwarz: „Wie die Toten leben“, Lebensweiser Verlag 1954
 
Neale Donald Walsch: „Zuhause in Gott – Über das Leben nach dem Tode“, Goldmann Verlag 2006