Ängste

Furcht auf psychischer Ebene im Rahmen eines Reaktionsmusters in Gefahrensituationen (entsprechend einer Stress-Reaktion) ist eine natürlich angelegte Reaktion, sie ermöglicht ein schnelles Reagieren auf die Gefahr im Sinne von Flucht oder Angriff. Angst hingegen ist ein psychophysiologisches Reaktionsmuster in einer Gefahrensituation, die als nicht zu bewältigen erscheint. Sie wird in vier Arten empfunden, häufig als “die vier Ebenen der Angst” bezeichnet.

– Emotional: Gefühl, bedrängt und in die Enge getrieben zu sein, in der Falle zu sitzen oder keinen Ausweg zu haben.

– Vegetativ: Sympathikus-Aktivierung mit Schwitzen, Herzklopfen, schnellem, flachem Atem und Mundtrockenheit.

– Kognitiv: Gedankliche Einengung auf die Gefahrensituation, im Extremfall sogar bis hin zur “geistigen Blockade”.

– Motorisch: Erhöhter Muskeltonus, Fluchtreaktionen oder motorische Starre.

Die krankhafte Angst steht qualitativ in keinem Unterschied zur sogenannten “normlen” Angst, aber sie tritt in Situationen auf, in denen real keine vitale Gefahr oder ernsthafte Bedrohung besteht. Die krankhafte Angst geht in ihrer Intensität deutlich über das “normale” Maß an Angst hinaus. Sie kann sich auf bestimmte Objekte oder Situationen beziehen, aber auch durch Körperempfindungen oder Gedanken ausgelöst werden. Der Betroffene empfindet seine Ängste selbst sehr häufig als irrational oder übertrieben, aber diese sind durchaus ernst zu nehmen. Zu nennen ist hier die Phobie, diese wird durch bestimmte Objekte oder Situationen ausgelöst, im Gegensatz zu von Freud benannten frei flottierenden Ängsten, die ohne äußere Auslöser auftreten können.

Zu den Phobischen Ängsten gehören; die Agoraphobie, die Soziale Phobie und Spezifische (isolierte) Phobie. Als andere Angststörungen werden die Panikstörungen und die Generalisierte Angststörung. Abgrenzungen von diesen primären Angststörungen sind die sogenannten sekundären Angstsyndrome, welche außergewöhnlich starke Ängste bei körperlichen Erkrankungen oder im Rahmen anderer psychischer Erkrankungen auftreten können.

Angststörungen haben mit ca 15 – 25% die höchste Auftretenswahrscheinlichkeit im Leben der Allgemeinbevölkerung von allen psychischen Erkrankungen. Das Ausmaß der Beeinträchtigung im Alltag ist jedoch sehr verschieden. Am häufigsten verlaufen Angststörungen chronisch mit leichter Symptomatik, oft aber mit wechselnd starken Schüben. Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit mit anderen psychischen Erkrankungen gleichzeitig aufzutreten, wie z.B. andere Angsterkrankungen, depressive Syndrome und Suchterkrankungen oder -Substanzmissbrauch. Eine Chronifizierung wird häufig begünstigt durch eine späte Diagnosestellung.

Bei der Entstehung von Angststörungen wird von einem komplexen Zusammenwirken verschiedener Faktoren im Sinne eines hohen Empfindsamkeitspotentials ausgegangen. Zwillingsstudien und Familienuntersuchungen belegen einen Einfluss genetischer Faktoren bei der Entstehung von Angsstörungen von 30 -50%. Die genetische Ausstattung mit einer Neigung zu erhöhter Ängstlichkeit gilt als prädisponierender Faktor. Neuroanatomische und -physiologische Daten deuten auf eine Beteiligung verschiedenster Hirnregionen bei krankhafter Angst im Sinne eines Angstnetzwerks hin.


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